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Archiv für den Monat Oktober 2015

Erster Eindruck:

Zwiegespalten. Ein wenig wohlig und privilegiert fühlt man sich mit der Flasche in der Hand, denn der Sud ist limitiert und der Zugang zu ihm erschwert. Die Shareholder der Brewdog Brauerei, dem Firmenlingo entsprechend „Equity Punks“ genannt, erhalten exklusiven Zugriff auf das Bier. Wer sich also nicht per Crowdfunding beteiligt, ist (eigentlich) außen vor. Die künstliche Beschränkung ist zugleich etwas albern: Der Logik folgend wird ein Bier mit künstlichem Seltenheitswert zu einem Statussymbol. Wer damit im Stande ist zu protzen, sollte sich Gedanken über seine peer group machen:-)

Das sagt der Geschmack:

Grapefruit, Mango, Blutorange. Kein Wunder, was einem hier ins Gesicht springt, doppelt die Beigabe der Grapefruit und der Blutorange die doch ohnehin im Hopfen mit angelegten Aromen. Eine lebendige Säure, die im Vergleich zu bspw. einer Gose aber gebändigt, eher maßvoll dosiert ist, gibt dem fruchtigen Eindruck den finalen Schliff, ohne dabei zu vergessen, ein Bier zu sein. Das gleiche gilt für die Bittere: Präsent aber nicht obszön präsent. Leichfüßig, fast schon yogisch fliegend schwebt der Geschmack über den gar nicht mal so leichten 6,7% Alkohol. Der Elvis Juice ist somit ein großer Spaß für distinguierte Gaumen, ich kann ihn mir aber auch gut als „Lernbier“ in der Hand eines „Craft Beer Anfängers“ vorstellen, um das Aromenspiel zu verdeutlichen, was hopfenbetonte Biere veranstalten können.

Wenn Du abschweifst…

…bist Du clever und klaust die Idee. Kippst in Deinen Stout Sud Kaffee, in Dein Helles legst Du Heuballen und Dein Dunkles bekommt eine Lakritzkur. Aromen verstärken, denkst Du Dir, das ist der Weg. Beim Tasting dann das Erwachen: Störgeschmack und fast unangetastete Gläser säumen den Weg zum Abfluss. Deine Kopien sind so wenig Elvis Juice, wie Elvis Presley Imitatoren aus Castrop-Rauxel der echte Elvis. Dir wird langsam bewusst: Selten fällt ein King vom Himmel.

Brewdog Elvis Juice

Brewdog Elvis Juice

Wer von labyrinthischen Wegen durchs Brot spricht, meint wohl das Wirken und Auswirken der Hefe im Teig. Oder er hat einen an der Waffel. Oder schreibt einen Blog. Oder hat einen an der Waffel und schreibt einen Blog. Ok, Schluss damit.

Labyrinthische Wege durch das Brot bedeutet bei Martin Roller: Feines Schnittwerk in der Schnitte. Wäre ich 3 mm groß hätte ich einen Heidenspaß mit dem Brot, aber auch mit 185 cm finde ich das nicht unspannend. Das gilt auch für seine Kritik an unserem Umgang mit der Umwelt. Eine von der Sonne knalleorange gefärbte Apfelsine kann nur ein Sinnbild für die Erderwärmung sein. Die Abschürfungen der Schale ergeben die Umrisse der Kontinente, die prall gefüllten Weltmeere drohen den feinen weißen Pelz zum Zerbersten zu bringen. Ein wahrhaft aufrüttelndes Bild. Oder vielleicht auch einfach die die aus Langeweile und Talent geborene Idee mit der dicken Apfelsinenschale herumzuexperimentieren.

Ich komme nicht drumrum, bei Martin Rollers Arbeiten auf abwegige Gedanken zu kommen, aber auch in ihrer handwerklichen Finesse wissen die Werke zu fesseln. Auch auf Martins Website donnert es nur so vor Kreativgewittern. Ihr kennt das mit der Weiterklickempfehlung.

Orangenwelt

© by Martin Roller

Apfelburger

© by Martin Roller

Brotlabyrinth

© by Martin Roller

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