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Archiv für den Monat Juli 2014

Erster Eindruck:

Es dominiert Überraschung, dass diese Flasche vor mir steht. Doch ersteinmal von vorne.

Zu Gast bei Freunden auf der kykladischen Insel Syros entdeckte ich ein kleines Geschäft, in dem Wein, Spirituosen und Nicht-Mainstream Bier verkauft wurde. Nach eingehender Beratung im Laden fiel meine Entscheidung auf drei Flaschen Bier aus kleinen griechischen Brauereien. Die Flaschen wurden nicht sofort geleert, ich verfolge das Prinzip „Bier ist mein Souvenir“.

Den Weg der Flaschen plante ich in meinem Gepäck über den kleinen, auf einem Felsvorsprung gelegenen Flughafen, auf dem mäßig geschultes Personal arbeitet. Die Mäßigkeit ihrer Schulung wurde offensichtlich, als die Sicherheitsbetrauten mir verweigerten, die 3 Flaschen wohlverpackt im Gepäck einzuchecken. Die Gefahr sei zu groß, so die kreativen Querdenker von den Sicherheitschecks, dass die Flaschen zerbersten und das Flugzeug beschädigen. So ein Fall habe es schon einmal gegeben, versicherte man mir, woraufhin das Flugzeug 14 Tage nicht einsatzfähig war und auf den Besitzer der Flasche erhebliche Forderungen folgten (Stellt Euch die dazu hochgezogenen Augenbrauen vor).

Logik, Verweise auf die Airline Richtlinien und Vergleiche zu ähnlichen Vorkommnissen halfen nicht. Den Flaschen war nur noch eine letzte Reise vergönnt. Sie führte zu den Taxifahrern vor dem Flughafen. Diese freuten sich über mein Geschenk, ich freute mich auf Briefkontakt mit der kleinen Airline. Der kam jedoch nicht zustande, denn das befüllte Formular auf deren Website ließ sich nicht abschicken, eine Emailadresse für den Kundenservice blieb im Verborgenen. Die Beschwerde ging also an eine Sammelemailadresse, meinem Text wurde die Bitte vorangeschickt, an die entsprechende Stelle weiterzuleiten. Ich wartete eine Woche, ich wartete zwei Wochen und es tat sich nichts.

3 Flaschen Bier, mag so manch einer meinen, sind doch all der Aufregung nicht wert, aber hey – dieser Blog heißt de bello culinario, also soll zumindest dieser Artikel von einem kulinarischen Kriegsschauplatz berichten. Ich schwang die Social-Media Keule, doch auch bei Twitter wollte man mir keinen Kontakt nennen. Da blieb mir nur noch die Facebook’sche Klagemauer. Jetzt ratet mal, wer keine 24 h für seine Reaktion benötigte. Man bot mir telefonisch an, mir zur Wiedergutmachung Spzialitäten aus dem Ägäischen Raum zuzusenden. Das fand ich nett und willigte ein.

Nach wiederum zwei Wochen kamen zwei kleine Pakete an und darin befanden sich ein Baseball Cap der Aegean Air, ein Notizblock der Aegean Air, Aegean Air Sticker und ein Kugelschreiber der Aegean Air. Das verbarg sich also hinter der blumigen Formulierung „Spezialitäten aus dem ägäischen Raum“. Der Anstrengung müde, beschloss ich, es dabei zu belassen, mutete mir aber noch die Öffnung des zweiten Päckchens zu. Das gabs nicht. Es befanden sich darin zwei Flaschen der Septem Microbrewery und eine Flasche der Volkan Microbrewery. Ich hatte den Wunsch in die Email mit meiner Adresse geschrieben und offensichtlich hat sich ein Mitarbeiter auf die Suche nach dem in Griechenland auch nicht ubiquitär verfügbaren Gut gemacht. Olymic Air/Aegean Air und ich sind also wieder gut. Ob ich aber auch mit dem Septem Tropfen gut bin, dazu im kommenden Abschnitt mehr…

Das sagt der Geschmack:

Beim ersten Schnuppern an der Flasche nehme ich sehr deutlich Erdbeere wahr, nach dem ins Glas füllen gesellt sich Pfirsich dazu. Der Erdbeer Duft (ohne Zugabe von Erdbeeren) ist für sich genommen schon so außergewöhnlich, dass ich unprobiert Höchstnoten vergeben möchte. Der Geschmack ist im bestem Sinne interessant. der vollmundige Geruch wird etwas aufgelöst, was es trinkbarer macht aber auch etwas zahmer. Eher leicht kommt es daher, aber die Bittere haucht Charakter ein. Halbwegs stabile Schaumbildung sorgt für optische Gefälligkeit, der Kohlensäuregehalt entpuppt sich als genau richtig. Wenn man genau hinschmeckt, merkt man Erdbeere. Wenn man das nicht macht, bleibt es immernoch ein leicht überdurchschnittliches Ale.

Wenn du abschweifst…

überlegst du, wie du diese Airline Mitarbeiter dazu bekommen kannst, dir ein paar mehr Flaschen zu schicken. Denn die Brauerei konzentriert sich lieber aufs leckere Bierbrauen anstatt um ihren Export.

Septem Premium Red Ale Craft Beer

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Der Hunger sengt, die Lust aufs Essen steigt. Vor der Nase: ein Fastfood Tempel. Die bestellenden Worte gesprochen und nur kurz gewartet, steht das Häufchen Essen in seiner beispielhaftesten Form bereit zur Überführung.

Marc Trujillo kennt die ambivalenten Gefühle gegenüber Fast Food. Nüchtern betrachtet spricht kaum etwas für die Aufnahme des herzlos zusammen geworfenen Konvoluts an Industrienahrung. Doch nüchtern im Sinne von ausgemergelt betrachtet, kann auch ein mit Mayoschleier belegtes Menü Reiz auslösen, der tatsächlich in so etwas mündet wie dem unbedingten Wunsch, das jetzt so zu essen.

Die Bilder fangen diese Juxtaposition auf einzigartige Weise durch ihre explizite Darstellung kraft ihrer Farben, Texturen  und Detailtreue ein. Den ersten Blick auf diese Unerhörlichkeiten aus Flugzeugkombüse und Franchiseküche biete ich an. Mehr, wie immer, nach dem Klick zu Marc.

for here fast food painting 02

© by Marc Trujillo

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© by Marc Trujillo

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