Archiv

Archiv für den Monat April 2014

Während sich die tonangebenden Medien in Deutschland auf eine Berichterstattung zu politischen Entwicklungen im Osten einigten, reiste ich nach Moskau. Dort nahm ich Russland persönlich unter die Lupe. Bei meinem Streifzug klapperte ich Sehenswürdigkeiten, alternativere Ecken und, wie könnte es anders sein, kulinarische Hot- und Cold-Spots ab.

Die Kathedrale des seligen Basilius am roten Platz

Die Kathedrale des seligen Basilius zwischen Chaos und Symmetrie, Kirmes und Baukunst.

Supermarkt in Moskau

Stilvolles Einkaufen: In diesem etwas schöneren Supermarkt findet sich das Döschen Kavier zu 1.000 Euro und Cognac für 5.000 Euro genauso wie Soviet-Schokolade und Billig-Fusel.

Vogelscheuche oder interaktiver Kleiderständer in Moskau

Interaktiver Kleiderständer (hält durch ihre Bewegungen im Wind Vögel fern)

Soviet Eis in Konsumtempel

Soviet-Eis (steinhart, aber karamellig-lecker) im Edel-Konsumtempel.

Der Vorplatz des roten Platzes

Der „Vorplatz“ des roten Platzes (Красная Площадь). Der rote Platz heißt übrigens nicht so aufgrund der Farbe seiner Gebäude oder politischen Gesinnungen seiner Erbauer. „красный“ (krasny) hieß im Russischen früher nur sowohl „schön“ als auch „rot“. Heutzutage verwendet man „красный“ nur noch im Sinne von „rot“ und so heißt der rote Platz roter Platz, obwohl man ursprünglich „schöner Platz“ meinte.

Nouvelle Cuisine auf Russisch

Nicht nur die Nouvelle Cuisine lehnt alles Komplizierte ab, will Kochzeiten verkürzen und kräftige Marinaden verbannen. Auch in diesem ukrainischen Restaurant hielt diese Vorspeise ihr Versprechen: Gemüse. Nicht mehr und nicht weniger!

Konsumkritik in Moskau

Russische Designstudenten inszenieren Konsumkritik.

Craft Beer aus Russland

Craft Beer made in Moscow. Das „Fuel American Premium“ der Brickstone Brewery mit 4,7% überzeugt mit voller Malzkeule, Süffigkeit bei gleichzeitiger Spritzigkeit und begeistert mit Maronennote.

Gefährliche Küche in Moskau

Zutaten werden hier ohne Rücksicht auf Kollateralschäden mit dem Kochmesser kleingehackt. Dass die Moskauer daraus keinen Hehl machen, zeigt diese Restaurantterasse.

Moskauer U-Bahnstation

Immer wenn der Weg das Ziel ist, befindet man sich vermutlich in der Moskauer U-Bahn (9 Mio. Fahrgäste täglich auf 302 Kilometern Wegstrecke).

Frühstückswagen in Moskau

Der Frühstückswagen ist da!

Hipster Veranstaltung "Stay Hungry Backyard" im Gorky Park

Beim „Stay Hungry Backyard“ Event im Gorky Park arbeiten sich die Moskauer an ihrer Version des Hipstertums ab. Auch teuer importiertes Augustiner und Cidre können nicht den Eindruck verwischen, dass die „Burger Brothers“ noch weit von der Qualität der „Fetten Kuh“ entfernt sind.

Kaffee bei CreativeMornings MOW

Bei den „CreativeMornings Moscow“ warten die Besucher auf Kaffee mit Herz.

Verziertes Fenster in Moskau

Für Moskau gilt das gleiche wie für die Berichterstattung über die Moskauer Politik: Genau hinsehen rentiert sich!

Erster Eindruck:

Ein Bier mit farblicher Ähnlichkeit zu den Noriblättchen und einer Geruchsnote, die an eine säuerliche Version von Köstritzer erinnert. Beim Eingießen kein Schaum – what a bummer…

Das sagt der Geschmack:

So merkwürdig die Zutat Seetang in unseren Ohren klingt, geschmacklich geht die Rechnung auf. Meine Wahrnehmung bleibt bei der Melasse hängen, die Meeresbrise ist wenn überhaupt im Hintergrund zu schmecken. Einzig die salzige Note schafft einen Verweis zum Meerwasser, aus dem der Seetang gefischt wird. Das Salzige wirkt dabei interessant, wie Fleur de Sel auf feiner dunkler Schokolade, nicht deplaziert. Der trockene, nicht penetrante, fast schon unaufgeregte Nachhall rundet die würzige Malzigkeit ab

Wenn Du abschweifst…

..ermahnst Du Dich, nicht abzuschweifen. Denn die wahre Überraschung liegt hier in der Bodenständigkeit, die man so nicht erwartet hätte.

Kelpie

Passend zum Karfreitag gehts bei de bello culinario fleischfrei zur Sache. Die im Bereich Photographie und Film tätige, professionelle Foodstylistin Anna Keville Joyce liefert dafür ein paar Werke ab, die zwar Geflügel zeigen, jedoch sin carne entstanden sind. Initialzündung für die Werke war ihr Abschied von Budgie, einem geliebten Haustier. Nicht schwer zu erraten, handelte es sich bei Budgie um einen Vogel. Besonders beeindruckt hat mich die Auswahl der Zutaten, die sie als Farb- und Texturgeber verwendet. Sei es die farbverlaufgebende Flüssigkeit auf dem zweiten Bild oder die Fruchtstückchen auf dem obersten Bild, die den Baumstamm nachzeichnen, den der Specht bearbeitet.

Weiterklicken lohnt sich nicht nur zu Annas Seite, sondern auch zu Agustín Nieto, der Annas Food Art fotografiert.

the woodpecker

© by Anna Keville Joyce & Agustín Nieto

birds on wire

© by Anna Keville Joyce & Agustín Nieto

a tribute to budgie

© by Anna Keville Joyce & Agustín Nieto

Phantastisch, was das Bloggerleben so für einen bereithält. Goodies von Verlagen, Kontakt zu anderen Bloggern und seit neuestem auch: Preise. Dabei kam ich doch eigentlich nur, um etwas mit Medien zu machen.

Liebster Award

And the „Liebster Award“ goes to…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Doch zurück zum Preis. Den verlieh mir Corinna von „mein Apulien“. „Mein Apulien“ bietet einen phantastischen Einblick in das Leben einer Auswanderin. Und „mein Apulien“ liefert die Nahaufnahme einer offenbar sehr schönen Region Italiens. Und „Mein Apulien“ verleiht Preise.

Die Idee des Preises besteht darin, gerngelesene Blogs auszuzeichnen und sie anhand von 11 Fragen näher kennenzulernen. Nachfolgend findet Ihr also Corinnas Fragen und meine Antworten.

1. Würdest du beim “Liebster Award” überhaupt mitmachen?

Da meine Chancen auf Nobel-, Pulitzer- und Bookerpreis momentan nicht allzu gut stehen, nehme ich mit, was ich kann!

2. Wie bist du auf die Idee gekommen, einen Blog mit “Kulinarikbezug” zu schreiben?

Als Profiesser, semiprofessioneller Schreiberling und unprofessioneller Koch gab es keinen Weg daran vorbei!

3. Wie stößt du auf die faszinierenden Projekte, die du auf deinem Blog vorstellst?

Wichtige Orientierungspunkte auf meiner Netzlandkarte sind Blogs wie Ignant, Itsnicethat oder Designboom. Von dort aus beginnend lasse ich mich per Schneeballprinzip durchs Netz treiben.

4. Gibt es bereits eine Hitliste ausgehend von deinem Beerview?

Ich glaube das wäre zum jetzigen Zeitpunkt zu früh. So besteht auch der Anreiz in Zukunft, mir den Preis erneut zu verleihen;-)

5. Was bist du lieber: kulinarischer Entdecker oder Plattenrichter?

Ob als Seelentröster und Stimmungsaufheller oder als Fokuspunkt neugierigen Interesses – Kulinarik und Musik sind beides tolle Drogen. Einzig die Fähigkeit von kulinarischen Freuden, durch ihren Genuss gleichzeitig spielende Musik in die Nichtwahrnehmung zu drängen, zeichnet sie zusätzlich aus.

6. Wo würdest du leben wollen, wenn du überall leben könntest?

Ginge es nach meinem Plattenrichterblog, müsste ich nach Berlin, New York oder Bristol ziehen. Ginge es nach de bello culinario, müsste das One-Way-Ticket auf Tokyo, Paris oder Bergisch Gladbach ausgestellt sein. Im „echten Leben“ spielen so viele weitere Aspekte eine Rolle, dass Köln den Titel „Wahlheimat“ nicht ohne Grund trägt. Und hey, immerhin Bergisch Gladbach ist direkt um die Ecke.

7. Wohin würdest du hingegen nur im Urlaub fahren wollen?

Alle Orte, die faszinieren, aber mir nicht alles bieten, was ich stets um mich wissen möchte. Das wäre bspw. Jerusalem, Kamtschatka oder Tahiti.

8. Wahlheimat Köln – drei Dinge, für die es sich in Köln zu leben lohnt

– Viele persönliche Kontakte, die sich bei Bedarf auch schnell ergeben
– Das von Überzeugungstätern geschaffene, hochqualitative kulturelle Angebot
– Die ungeahnte grüne Farbe

9. Wahlheimat Köln – drei Dinge, für die du Köln am liebsten den Rücken kehren würdest

– Bausünden aus den Nachkriegsjahren und die Unfähigkeit an aktuellen Großbaustellen
– Der Nahkampf, in den sich Fahrradfahrer permanent begeben müssen
– Das Stadtbild am Altweiberdonnerstag um 20:00 Uhr

10. Wie viele Blogs würdest du noch schreiben wollen, wenn du die Zeit dafür hättest?

Dauerhaft zwei, ich würde de bello culinario jedoch erweitern. Und mich vorab mit Foodfotografie auseinandersetzen. Wenn ich mich nochmal länger auf Reisen begeben sollte, würde ich wohl auch wieder darüber bloggen. Der Blog über mein halbes Jahr in China war jedenfalls auch ein großer Spaß.

11. Wie verläuft dein perfekter Tag?

Sonnig, sportlich, voller Genüsse

***

Nachdem ich mich nun über 11 Fragen im Spotlight suhlte, richte ich es auf Bernd von „heut gibts“. Bernds Foodblog verfolge ich seit längerem. Einerseits hole ich mir Inspiration für meine eigenen Aktivitäten am Herd. Andererseits bereitet es Freude, Bernds Posts zu lesen, aus denen immer seine Erfahrung und Überzeugungen sprechen.

Für den Fall, dass Bernd den Preis annimmt, warten auf ihn folgende Fragen:

1.) Hast Du einen persönlichen Lieblingsartikel/Post auf Deinem Blog? Wenn ja, welcher ist es?
2.) Wie schaffst Du es, Dich dauerhaft zur so regelmäßigen Blogpflege zu motivieren?
3.) Wie kochst Du am liebsten? Frei, mit selbst abgewandelten Rezepten oder strikt nach Rezept?
4.) Welche Regionalküche ist die beste?
5.) Bier oder Wein?
6.) Gasthaus oder Sternetempel?
7.) Welche sind Deine Lieblingsfoodblogs, außer „heute gibts“?
8.) Was ist die wichtigste Regel beim Kochen?
9.) Auf welchen Küchenhelfer kannst Du nicht verzichten?
10.) Kam es über Deinen Blog schon zu merkwürdigen Kontakten? Wenn ja, wer hat sich mit welchem Anliegen gemeldet?
11.) Du widmest „heute gibts“ Deinen Töchtern. Bekommst Du von ihnen Rückmeldungen zu den Rezepten/Posts?

Davide Lucianos Photos sind Momentaufnahmen, anhand derer Geschichten nacherzählt werden. Sei es ein italienisches Mittagsmahl, das per Mafia Besuch abrupt beendet wurde oder ein Picnic, für dessen Essen die Bienen der Umgebung andere Pläne hatten als die Ausrichter der Veranstaltung. Die Geschichten sind zwar recht naheliegend, aber mir gefällt die Konsequenz, mit der „Meals Interrupted“ umgesetzt wird. Die Handlungen muss man sich ersteinmal so parat legen und dann auch gekonnt inszenieren. Das dritte Werk, was ich hier als Teaser präsentiere heißt  „Charred“, ein Seafoodfest, das in Flammen aufgegangen ist.

Ein weiteres „Meal Interrupted“ ist übrigens das halbaufgegessene Brot mit Tahini und Honig neben mir. Ich könnte mir kein Bild vorstellen, das aufklärt, wie ich die Verköstigung zum Schreiben dieses Artikels unterbrechen musste. Aber für solche Fälle gibts ja noch Text. Für alle anderen, wie gesagt, Davide.

Und jetzt machen wir „de bello interrupted“ und klicken uns rüber zu Davide.

Al Dente - Meal Interrupted

© by Davide Luciano

Honeyed - Meal Interrupted

© by Davide Luciano

Charred - Meal Interrupted

© by Davide Luciano

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