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Archiv für den Monat Februar 2014

Als Grenzphänomene zwischen Licht und Finsternis bezeichnete schon Goethe die Farben, Grafiker und Drucker der Jetztzeit arbeiten jedoch nicht mit der Farbenlehre unseres ersten Mannes wenn es um Dichtung geht. Neben dem Vierfarbsystem, schwören Fachleute vor allem auf das Pantone Farbsystem als Standard.

Nun lest ihr keinen Fachblog für Drucktechnik und dementsprechend spare ich mir eine Vertiefung, sondern stelle Emilie Griottes vor. Sie spannt den Pantone-Farbfächer auf und verwendet ihn als archimedischen Punkt für ihre Food-Photographie. Für die verschiedenen Farbtöne findet sie Repräsentaten aus der Foodwelt und setzt sie meisterhaft in Szene.

Ich finde das vorzüglich und bin schon gespannt auf die Vervollständigung des Projekts, wenn Emilie Bilder für alle 1677 Pantone Farben geschossen hat:-)

Für alle Interessierten zum Weiterlesen: Auf dem Blog High Foodality gab es mal ein (Mitmach-)Buch zum pdf-Download, das sich mit dem Thema „Kochen nach Farben“ beschäftigt. Ein Blick hierein lohnt!
Griottes Choose your color (all)

© by Emilie Griottes

Griottes Choose your color (yellow)

© by Emilie Griottes

Griottes Choose your color (red)

© by Emilie Griottes

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Erster Eindruck:
Reich, vielschichtig, aber leider auch sehr sauer kommt das dünne, fast schon plörrige Gesöff daher.

Das sagt der Geschmack:
Der leicht blumige Geruch, die Ansinnen von Honigmelone können nicht über die starke Säure hinwegtäuschen, die sich bereits beim ersten Schluck breit macht. Interessant ist der leichte Whiskeygeschmack des Bieres, dem sein hoher Alkoholgehalt schlecht zu Gesichte steht. Edel und billig gehen hier eine merkwürdige Hochzeit ein, die zum Scheitern verurteilt ist.

Wenn Du abschweifst…
..bist Du der Mad Professor im Weinberg, der aus Trauben Bier statt Wein produziert. Du wirst verbannt, weil die Weinjünger Dich verachten, die Bierjünger es Dir auch nicht einfacher machen und alle anderen Dein Gebräu für Essig halten.St. Austell's Smuggler's Ale

Schon viele clever inszenierte Fotos und trickreich bis atemberaubende gemalte Beispiele für Kunst mit Kulinarikbezug lieferte ich Euch in den vergangenen Monaten. Bei der heutigen Vorstellung kann sich unsere Wahrnehmung nicht entscheiden zwischen Malerei und Photographie.

Auf den ersten Blick wirken die Arbeiten wie Malerei. Mit dem Hinweis „das ist aber ein Foto“ gerät man ins Grübeln. Spätestens bei den Bildern, die einen nicht „gemalten“ Ausschnitt enthalten, verhaspelt sich das Hirn bei der Orientierung. So langsam wird einem bewusst: Cynthia Greig präpariert Gegenstände, sodass sie photographiert immer noch wie durch Pinselstrich entstanden ausschauen.

Durch die Spannung gewinnen die Arbeiten. Die Täuschung durch ein Stilleben lässt den Betrachter ratlos interessiert zurück. Grenzen verschwimmen und der Teebeutel ist, ein wenig weitergesponnen, gefangen irgendwo darin, in einer Fuge zwischen Realität und Fiktion.

Representations 05

© by Cynthia Greig

Representations 13

© by Cynthia Greig

Representations 07

© by Cynthia Greig

Kölsche Eckkneipen, glattpolierte Cocktailbars, Tanzlokale und Undergroundclubs. Möglichkeiten für den Drink am Wochende finden sich nicht nur in Köln zuhauf. Mindestens genauso etabliert als urbane Vegetationsflecken sind jedoch die lebendigen Kioske. Wo Studenten zwischen den Clubbesuchen ein günstiges Kioskbier einnehmen, die Flaschensammler den Lohn für ihre Arbeit einlösen und sich Raucher und Schokoladenaddicts die Klinke in die Hand geben, kommt man ins Gespräch.

An anderen Orten heißen die urbanen Vegetationsflecken Spätis oder 7-Eleven, immer werden sie von Nachtschwärmern verehrt. Richard Vantielcke hat diese Orte in Paris eingefangen, wenn sie nicht von Besuchern bevölkert werden. Wie von Geisterhand erleuchtet, deplatziert und doch spannend schauen die Geschäfte nun aus.

Wem das alles zu gruselig ausschaut, kommt doch lieber nach Köln wenn es heißt „Drink doch ene met, stell dich nit esu ann“ – am Kiosk um die Ecke.
Urban Oasis 10 - Photographie de nuit

© by Richard Vantielcke

Urban Oasis 2 - Photographie de nuit

© by Richard Vantielcke

Épicerie d'Art de Paris - Urban Oasis 8

© by Richard Vantielcke

Man muss schon einen Augenblick länger auf die Bilder von Caroline Slotte schauen, um zu realisieren, was hier passiert. Zu vertraut sind die Eindrücke von herkömmlichen zerdrückten Plastikflaschen, benutzten Strohhalmen und zerdrückten Alu-Getränkedosen. Die Abbildung der in Holz gearbeiteten Pendants gestatten einen neuen Blick auf Lebensmittelverpackungsmüll, der ubeachtet bspw. auf dem Mittelstreifen der Autobahn liegt. Der gedankliche Materialaustausch hat eine ähnlich freilegende Wirkung wie die 40fache ausgesprochene Wiederholung eines Wortes. Man dekontextualisiert, legt das Triviale frei und schlussfolgert irgendwann „merkwürdig, merkwürdig“. Falls all das derangiert klingt, lässt sich alternativ mit den Bausteinen Holz und Verpackung eine Diskussion über den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen und Nachhaltigkeit beginnen. Wie man es auch handhabt, der Klick auf die Site der Künstlerin lohnt in jedem Fall.

Trinkflasche aus Holz One To One 3

© by Caroline Slotte

Strohhalm aus Holz One To One 2

© by Caroline Slotte

Dose aus Holz One To One 1

© by Caroline Slotte

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