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Archiv für den Monat Dezember 2013

Wie auch schon im November grub ich mich durch die Untiefen des Internets und stellte dabei einige Unregelmäßigkeiten fest. Diese bemerkenswerten Kleinigkeiten hier in meinem kulinarischen Merkwürdigkeiten-Sammelsurium. Bitte sehr:

Die handwärmende Teetasse – für Iglubewohner und Frostbeulen

– Falls im Iglu das Mobiliar fehlt – hier der passende Sessel zur handwärmenden Teetasse

– Es gibt sie noch die archaischen, guten, alten Sachen: Handgeschmiedeter Flaschenöffner

– Typisches Alltagsproblem – welches Bier braue ich heute?! Das Brauer-Würfelensemble bietet Antworten, Antworten, Antworten.

– Witzig sein und Türe aufhalten gleichzeitig? Das geht nur mit dem Soft-Eis-Türstopper 

– Sei bei dem nächsten Fluch der Karibik Screening der Star in Deinem Freundeskreis mit dem einbeinigen Piraten-Flaschenöffner

– Für mich das einzig wahre Verpackungsdesign für Energydrinks. Muskelflaschen!

– „Unser täglich Brot“ heißt für Blogger schreiben, schreiben, schreiben. Am besten auf den Brotnotizblock

– Mit dem eigenen Raumschiff hat es bislang nicht geklappt? Kein Problem, bastelt Euch die Müsliversion vom Tie Fighter

– Dass darauf nicht ich gekommen bin: Ein Pfefferstreuer in Form von einem Gebiss

 

 

 

 

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Sagt über die Weihnachtsgeschenktraditionen was ihr wollt, ich finde viele davon gut. Mir macht es Spaß, Dinge zu verschenken, von denen ich hoffe, dass sie den Lieben gefallen. Mich amüsiert auch das Schrottwichteln, bei dem ich dieses Jahr eine 16 Jahre alte Jogginghose verwichtelte und dafür eine Betonvase erhielt. Bei all der Mildtätigkeit möchte ich nicht verschweigen, dass ich mich nicht zu knapp über Geschenke freuen kann.

Neben den üblichen verdächtigen Schenkenden gab es dieses Jahr ein Präsent von einer mir unbekannten Person, und zwar von dem Craft Beer Friend. Seinem Namen alle Ehre machend erfreute er mich mit 6 Flaschen Bier. Das tat er, weil er, wie ich, am USOX Bierwichteln teilnahm. Jeder Teilnehmer erhielt eine Adresse von einem Bierfreund, dem eine Bierflasche zuzuschicken war. Im Gegenzug erhielt man selbst auch eine Flasche Bier. Ich verschickte ein Hellers Kölsch und dafür nahm freundlicherweise die Omi vom ersten Stock ein Paket für mich entgegen. Wie bereits verraten enthielt das Paket satte 6 Flaschen – danke dafür (1 hätte doch schon gereicht)!

Ich möchte das Bierwichteln und besonders die Lieferung vom Craft Beer Friend als Impulsgeber für eine neue Rubrik auf meiner Seite nutzen, die ich Beerview nenne. Bei Beerview werde ich immer auf unkonventionelle Weise Bier besprechen.

Aufgrund der Länge dieses Artikels jetzt aber nur in aller Kürze ein paar Worte zum ersten Bier aus der Serie Beerview, dem schwarzen Specht von meinem Craft Beer Friend:

Nach Karamel riechend, sich in geheimnisvoller tiefdunkler Farbe ergießend und zurückhaltend prickeld macht sich zunächst Süße breit. Leicht harzig und mit Honignoten garniert bleibt der gehaltvolle Trunk auf der Zunge und weicht allem herunterschlucken zum Trotz nur behäbig. Süffig schwer bleibt ein solides Gesamturteil für die Spezialität aus dem Hause Specht. Abzüge gibts für den leicht metallischen Geruch.

Schwarzer Specht

Post vom Bierfreund

Was wird über des US-Amerikaners Esskultur doch gerne gelästert. Hamburger, Fritten, merkwürdige Pizza, in Konsequenz viele dicke Menschen. Als ich (wohlgemerkt vor vielen Jahren) ein Austauschjahr in den USA verbrachte, wunderte ich mich auch über Chips als Beilage am Mittagstisch. Doch handelt es sich nicht hier um ein Stereotyp? Isst der Durchschnittsamerikaner nicht ganz anders und viel besser? Keine Ahnung, ehrlich gesagt.

Nicht dass ich finde, dass wir uns mit Flönz, Harzer Käse und Mett weit aus dem Fenster lehnen sollten. Viel ekliger geht es wohl nicht (das sage ich als Fan von Mett). Dennoch, ein Kapitel des Buches US-Amerikanische Ernährungkultur möchte ich in diesem Post noch aufschlagen: Eggnog. Eierpunsch. Rohe Eier, Zucker, Milch/Sahne. Mit Whiskey gemischt an Weihnachten verzehrt. So wie es meiner Schreibe die Grammatik verschlägt, verschlägt es auch mir jedes Mal die Sprache, wenn ich an dieses in Tetrapaks verkaufte Gut denke. Damit wären wir allerdings beim Thema: Eggnog Tetrapaks.

Die zeugen von fragwürdiger Kreativität ihrer Gestalter, deren Dokumentationspflicht sich Madeleine Eiche angenommen hat. Auf ihrer Seite finden sich die obskursten Varianten, dieses (zum Glück) in unseren Breitengraden nicht angebotenen „Getränks“.

debello wünscht in dem Sinne (auf den letzten Drücker) Frohe Weihnachten!

PS.: Mir ist bewusst, dass Eggnog kein rein US-amerikanisches Phänomen ist. Ein bisschen Überspitzung muss dennoch gestattet sein!

Tacoma-Washington

© by Madeleine Eiche, Photography: Justin Gollmer

Roy-Washington

© by Madeleine Eiche, Photography: Justin Gollmer

Lynnfield-Massachusetts

© by Madeleine Eiche, Photography: Justin Gollmer

Die meisten meiner Arbeitstage beginnen nüchtern, bis ich mir im Büro den ersten Tee aufsetze. Wenn es ein wenig hüngert, wird ein Brötchen eingeworfen. Irgendwann, so gegen 11,  meldet sich der Magen wieder zu Wort. Er spricht dann direkt durch meinen Mund mit meinen Kollegen und sagt Fragen auf à la „Was geht denn eigentlich mittagstechnisch heute?“. Ist die Entscheidung gefallen und das Bistro um die Ecke oder die Sammelkantine aus dem Industriegebiet steht als Ziel fest, lösen sich die Gedanken sukzessive von dem, was auf und zwischen Outlook, Powerpoint und Excel passiert und das Hüngerchen entwickelt sich zu einem dominanten „JETZT ESSEN HINZUFÜGEN“-Befehl. Einerseits finde ich es gut, die Körpersignale noch zu kennen und nicht unentwegt dem Hunger vorzubeugen. Andererseits kommt das Spielchen meiner Konzentration nicht zu Gute, was den Chef zum Weinen brächte, wenn er denn davon erführe.

Gerade jetzt in der Adventszeit, wenn neben dem Bildschirm gerne mal das Lindt Fest-Pastetchen oder ein paar handgeschmiedete Plätzchen stehen, setzt die fokussierte Wahrnehmung ein und der Greifarm wird etwas häufiger zu den sich feilbietenden Butter-Zucker Kombinationen ausgefahren. Als Einstieg in diese meine Sinneswahrnehmung kurz vor Mittag biete ich heute die Werke von Arjan Benning an. Er lichtet zwar keine Plätzchen ab, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass auch eine cremige Kugel Eis nicht vor mir sicher wäre, wenn sie sich kurz vor der Mittagspause neben dem Bildschirm räkelte. Anders als die Real-Life Variante haben Arjans Werke einen Vorteil: Die Hüften werden von ihnen verschont!
Ice Age Food Art Series Office

© by Arjan Benning

Ice Age Food Art Series Fruit

© by Arjan Benning

Ice Age Food Art Series Victorian

© by Arjan Benning

Wie das heutige Datum, der 11.12.13, zu einem Blogpost inspirieren kann? Ich nehme die ordnungsmäßige Aufeinanderfolge als Anlass, ein paar aufeinanderfolgende Bilder zu zeigen, in dem Ordentlichkeit zu sehen ist. Wenn sich Ordentlichkeit nach Bürokratie, Starre und Pedanterie anhört – sorry, genau mit dem Gegenteil haben wir es bei Maria Laura Benavente Sovieri zu tun. Lebensmittel aus Papier gefaltet, für mich immer wieder ein visuelles Spektakel und Highlight. Without further ado….

Lecker Steak aus Papier

© by Maria Laura Benavente Sovieri

Meeresfrüchte aus Papier

© by Maria Laura Benavente Sovieri

Obst und Gemüse als Origami

© by Maria Laura Benavente Sovieri

Mich erreichten zwar nicht wäschekörbeweise Bitten, endlich wieder Banana Art zu zeigen, ich denke aber dass Marta Grossis Banana Graffiti Werke einen Platz in meiner Sammlung verdienen.

Auf einer Banane malt sie die Verfärbungen der Andy Warhol Banane vom Velvet Underground Cover nach, auf einer anderen transformiert sie die Schale zu der Verpackung von Chanels Parfumklassiker – muss einem auch ersteinmal einfallen.

Wie es sich für amtliche Food Art gehört, verspeist Marta ihre Werke übrigens am Morgen nach der Fertigstellung. Ob es darum schade ist, könnt ihr auf ihrer Website nachvollziehen: Klick!

Banana Graffiti

© by Marta Grossi

Banana Graffiti

© by Marta Grossi

Banana Graffiti

© by Marta Grossi

Banana Graffiti

© by Marta Grossi

Frontansicht "In der Küche mit Alain Passard"

Frontansicht „In der Küche mit Alain Passard“ von Christophe Blain

Hard Facts:
– ca. 15 Rezepte, durchgängig gezeichnet
– 96 Seiten, Hardcover
– Erschienen 2013 im Reprodukt Verlag
– Bezugsquellen: Unterstützt den Buchhändler in Eurer Nachbarschaft!

Hintergrund:
Als ich etwa 13 war, sammelte ich exzessiv Bildchen von Basketballspielern. Immer wenn ich ein paar Mark in der Tasche hatte, fuhr ich nach Köln, um in abgefahrenen kleinen Lädchen die Sammelkarten zu teils absurden Preisen abzugreifen. Dort gab es eine Menge anderen nerdigen Krimskrams, den größten Platz in den Läden nahmen jedoch mit Comics gefüllte Holzkisten ein. Ich interessierte mich damals nicht sonderlich dafür, war aber verblüfft von der Vielfalt an Heften. Mir wurde klar: Eine treffendere Metapher als „die Spitze des Eisbergs“, lässt sich für die schlechte, kleine Auswahl an Comics in (Bahnhofs)kiosken nicht finden.

Irgendwann geriet die Johnny Cash „Walk the Line“-Biographie als Comic in meine Hände. Erstmalig konnte ich die Begeisterung nachvollziehen: Anders als ein Buch, anders als ein Film, anders als ein Cartoon transportiert das Comic seinen Inhalt. Subtile Zwischentöne und Konnotationen kommen durch die grafische Darstellung zum Ausdruck, gleichzeitig wirkt das geschriebene Wort. Auch „In der Küche von Alain Passard“ profitiert genau von diesem Effekt.

Gestaltung:
Natürlich passt zu der Arbeitsdokumentation des Dreisternekochs Alain Passard keine flattrige Mickeymouse Heft Haptik. Deswegen umschließt die festen Seiten ein solides Hardcover. Die Zeichnungen verteilen sich wild über die Seiten, was jedoch der hektischen, für Außenstehende tumultig wirkenden Atmosphäre in der Küche Rechnung trägt. Zwischen den illustrierten Seiten räumen immer wieder einfarbige, streng gesetzte Seiten auf. Insgesamt eine angenehme Kombination aus straightem Layout und geregeltem Chaos.

Aufbau:
Mit dem nervösen Gang des Zeichners Christophe Blain ins Restaurant L’Arpège beginnt das Buch. Durch seinen Außenseiterblick erleben wir die immer auf wenige Seiten verdichteten Storys. Zweimal begleitet man den Zeichner bei Besuchen in den restauranteigenen Gärten, dann beim zurückhaltenden Zuschauen in der Küche und schließlich, wie er der Entstehung der Gerichte alleine mit dem Meisterkoch beiwohnt. Durch seine Rolle wird die anfängliche Zurückhaltung und dann immer weiter fortschreitende Begeisterung für Passards Tun nachvollziehbar und überträgt sich auf den Leser. So baut sich über die gesamte Lektüre mit ihren immer wieder zwischengeschalteten Rezepten Spannung auf.

Rezepte:
Einfache Konstruktionen wie Erbsen mit Pampelmuse und frischer Minze, Kartoffelpfannekuchen sowie Ananas mit Olivenöl, Honig und Zitrone werden anhand eines ausführlichen Texts beschrieben und erklärt. Vollends erschließen sich die Gerichte erst durch die Comicstrips, die die Begeisterung und den Respekt herausarbeiten, mit denen Passard seinen Zutaten begegnet. Durch Überspitzung schwingt immer eine Komik  mit, Christophe Blain begegnet Alain Passard trotzdem stets mit Respekt. Die Rezepte sind clever ausgesucht, in ihrer Einfachheit genial, dabei niemals banal.
Alain Passard huldigt Weißkohl

Alain Passard huldigt Weißkohl

Nachkochbarkeit:
Auch mit der üblichen Küchenausstattung lassen sich die Gerichte reproduzieren und die Fingerfertigkeit eines durchschnittlichen Hobbykochs reichen aus. Hin und wieder wirds ambitionierter, beispielsweise wenn Passard Eier mit der Rasierklinge bearbeiten lässt oder ein Dragée von der Taube bastelt.

Die richtigen Zutaten zu besorgen gestaltet sich da schon schwieriger. Klar, Möhren treibt jeder auf. Passard probiert allerdings drei verschiedene Böden aus, um herauszufinden, in welchem die aromatischsten, knackigsten, schönsten Möhren wachsen. Für nicht geschulte Esser sind das Geschmacksnuancen, aber bei reduzierten Kompositionen fallen auch kleine Unterschiede ins Gewicht.

Abschließendes Urteil:
Den großen Wert von „In der Küche mit Alain Passard“ findest Du auf verschiedenen Ebenen. Da ist der Witz, der durch den außenstehenden Blick auf einen hochbegabten Food-Verrückten entsteht. Da ist der tiefe Einblick in das Tun des Arpège, inkl. Mitgliederbefragung und Tokyo-Reisevorbesprechung. Da ist das Wissen, was sich in den herrlich pointiert dargestellten Ideenfindungsprozessen findet. Da ist der praktische Nutzwert für ambitioniertere Hobbyköche. Und, vielleicht am wichtigsten: da ist der Beweis, was mit Comics alles möglich ist.
In der Küche mit Alain Passard aufgeschlagen

In der Küche mit Alain Passard aufgeschlagen

Wichtig: Der Band wurde mir vom Verlag freundlicherweise kostenlos zur Verfügung gestellt. Debello Leser wissen aber, dass das keine Auswirkung auf mein Urteil nahm.
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