Archiv

Archiv für den Monat Mai 2013

Unser heutiges Thema bei de bello culinario heißt Summierung. Während über den Menschen gesagt wird, er sei die Summe seiner Erfahrungen, muss man über viele Speisen sagen, dass sie mehr sind als die Summe ihrer Einzelteile. Besonders deutlich wird das, wenn man sich nur die verschiedenen Zutaten anschaut, die zur Zubereitung eines Gerichts nötig sind.

Karsten Wegeners Assemblagen zeigen die Bestandteile kulinarischer Klassiker, die auf rätselhafte Weise zusammengestellt sind. In ihrer Sterilität, natürlichen Darstellung und gleichzeitig ungewohnter, unerwarteter Anordnung erinnern sie mich an die surrealen Bilder von René Magritte.

Wie auch Magritte kommt man Karsten Wegener nicht so ganz auf die Schliche. Wer jedoch errät, um welches Gericht es sich jeweils handelt, darf es sich als Belohnung kochen.

Pizza

© by Karsten Wegener

Minestrone

© by Karsten Wegener

Pfannekuchen

© by Karsten Wegener

Per Johansen setzt sich in seiner Serie „MÆT“ (dänisch für „voll“) mit einer pervertierten Konsumkultur auseinander. Die in dünnwandige Flaschen gezwängten Lebensmittel reifen nicht zu Jahrgangseditionen ihrer Klasse sondern lösen klaustrophobische Gefühle aus. Insbesondere die Produkte tierischen Ursprungs verursachen bei mir Ekel, doch auch Pilze  und Salat fordern Fragen zu ethischem Handeln bei der (industriellen) Lebensmittelproduktion heraus. Nicht alles ausdeklinierend, dennoch visuell explizit stößt Per Diskussionen zu u.a. Gentechnik und Massentierhaltung an.

MÆT

© by Per Johansen

MÆT

© by Per Johansen

MÆT

© by Per Johansen

Mit der „Modernist Cuisine“ erschien vor etwa 1,5 Jahren ein Buch über die Kochkunst, das in seinem Themenspektrum und seiner Tiefe einzigartig ist. Neben der durchdringenden Art, wie Zusammenhänge erklärt und leicht verständlich formuliert werden, faszinieren mich an der „Modernist Cuisine“ vor allem die Bilder.

Nathan Myhrvold und seine Mitarbeiter wendeten bei ihren Fotografien häufig eine Technik an, bei der sie die im Interesse stehenden Objekte in der Mitte durchschnitten, um so ein vollständigeres Bild zu vermitteln. Das muss man ersteinmal schaffen: Vervollständigung durch Teilung.

Genauso gehen auch Beth Galton (Fotos) und Charlotte Omnes (Food Styling) bei ihrer Serie Cut Food vor. Im Vergleich zu Myhrvold sind sie jedoch zahm: anstelle von Webergrills und Mikrowellen schnitten sie Instant-Nudelschalen und Kaffeebecher durch. Die Arbeiten ähneln denen der Modernist Cuisine Photographen jedoch darin, dass ein anderer Blickwinkel auf Dinge gelingt und man sich fragt, wie es den Kreativen gelang, dass die Flüssigkeit nicht herausläuft.
Cut Food

© by Beth Galton (Photography), Charlotte Omnes (Food Styling)

Cut Food

© by Beth Galton (Photography), Charlotte Omnes (Food Styling)

Cut Food

© by Beth Galton (Photography), Charlotte Omnes (Food Styling)

Mit gerade genug Verschnaufpause, um mich von meinem kathartischen Blogeintrag über gestricktes Fleisch zu erholen, präsentiere ich heute den nächsten gehäkelten Hammer: In erdigen Tönen gehaltene Gemüsevariationen.

Leider bin ich nicht Fachmann genug, um beurteilen zu können, ob Jung Jung mit Original Plauener Spitze konkurrieren kann. In meiner Top-10 der besten geklöppelten, gestickten, gestrickten, gehäkelten und getundelten Lebensmittel liegen die Werke von Jung Jung jedoch weit vorne.
Vorhang auf:

Schon als Kind konnte ich mich für die Idee des Schlaraffenlands begeistern. Leider scheiterten Versuche, sich das fiktive Land wahrzuträumen, in dem Honig die Flussbetten füllt und anstelle von Steinen Käsestücke die Wegränder säumen.

Seitdem habe ich mich nicht mehr mit der Idee eines Landes des Müßiggangs, der Entspannung und des kulinarischen Genusses auseinandergesetzt. Müßiggang und Entspannung gabs zwar in meiner Studentenbude ausreichend, der kulinarische Genuss hielt sich dort jedoch in Grenzen!
Die Zeiten, in denen wir unsere Vorstellungskraft für ein klares Bild des Schlaraffenlands bemühen müssen, sind mit Carl Warners foodscapes vorbei. Als Vorlage nutzt Carl bekannte Sehenswürdigkeiten, wie wir sie von Reisekatalogen kennen. Wie originalgetreu er die Motive mithilfe von Lebensmitteln nachbastelt verblüfft und lässt einen fragen, wie zum Teufel der Mann das in der räumlichen Tiefe hinbekommt. Die Anwort liegt hinter dem KLICK.

Wart Ihr zufrieden mit der Bewirtung bei Eurem letzen Konzertbesuch? Ein leckeres Großbrauerei-Bier aus dem Plastikbecher? Dazu eine Brezel oder eine Currywurst aus dem Hause Hoeneß? Bevor ich mich auf das Thema einschieße, gebe ich zu: die meisten Menschen interessieren sich zurecht eher für das Geschehen auf der Bühne. Bewirtungssstände sind höchstens Nebenschauplätze.

Etwas wichtiger ist die Versorgung mit Lebensmitteln für die Künstler. Deswegen schreiben die Rampensäue und Shoegazer dieser Welt vor ihren Touren die Wünsche für den Backstage Raum auf. Den teilweise zwischen Exzentrik und Lächerlichkeit oszillierenden Vorstellungen der Künstler gerecht zu werden ist dann die Aufgabe des Veranstalters.

Mithilfe der sogenannten Backstage Rider, also den Wunschzetteln der Künstler, machten sich der zum zweiten Mal auf de bello culinaro vertretene Henry Hargreaves und seine Kollaborateurin Caitlin Levin die Mühe, die Wünsche zu inszenieren. Das Ergebnis weiß in seiner entlarvenden Stilisierung zu verzücken, was dem interessanten Ansatz geschuldet ist. So schreiben die Macher selbst:

„To challenge ourselves, and to make something beautiful we decided to compose these images in the manner of Flemish still life, and the Vanitas of the 16th and 17th centuries. Also noting the correlation between these paintings which were meant to „remind one of the transience of life, the futility of pleasure, and the certainty of death,“ and mortality of the musicians themselves.  „

via Vice

Riders - Prince

© by Henry Hargreaves and Caitlin Levin, Typography Lorenzo Fanton

Riders - Britney Spears

© by Henry Hargreaves and Caitlin Levin, Typography Lorenzo Fanton

Riders - Axl Rose

© by Henry Hargreaves and Caitlin Levin, Typography Lorenzo Fanton

Ihr glaubt an eine einfache Antwort? Ich auch, bis ich eine Interpretation von Jing Zhang entdeckte. Irgendwo zwischen Lehrauftrag und Traumwelt stehen die Bilder mit dem Infografik-Geschmack. Auf Jing Zhangs Behance Profil gibt es eine in ähnlicher Manier gefertigte Erklärung, wie das Smartphone funktioniert, mit dem Ihr gerade de bello culinario besurft.
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