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Archiv für den Monat März 2013

Ich weiß ja nicht, wie christlich Ihr seid. Doch egal wie atheistisch oder agnostisch man unterwegs ist, als Angestellter finden sich wenige Argumente gegen ein kostenfreies verlängertes Wochenende. Ich finde, so opportunistisch darf man sein, sogar wenn sich auf der Gehaltsabrechnung keine Kirchensteuerabzüge finden.

Auf die Treffen mit der Familie freue ich mich, aber der Eierfärber vor dem Herrn bin ich nicht. Auch wenn die Luft für mich dünn wird, den Opportunismus-Vorwurf abzuwenden, bleibe ich dabei: die Eier werden nicht bemalt, zumindest nicht von mir.

Mit Schrecken erinnere ich mich an hochrote Schädel und pulsierende Adern beim Ausblasen der Eier in meiner Kindheit. Auch die klebrigen Dotter und scharfkantigen Schalenstücke verfolgen mich in diesen Tagen. Last but not least sprechen gegen die Bemalung von Eiern Farbkleckse, die sich auf Kleidung, Teppich und Holzmöbeln langsam einsaugen, um nie mehr zu verschwinden.

Wenn ich jedoch Eier dekorieren müsste, würde ich es wie Brett Bara halten. Aufgeräumt, extravagant, kreativ und doch lieblich kommen die Stickereien daher. Muss man gut finden, auch als kirchensteuerzahlender Agnostiker!
Embroidered Eggs

© by Brett Bara

Embroidered Eggs

© by Brett Bara

Embroidered Eggs

© by Brett Bara

Häufig genug gehts hier im Blog um Skurilles, Humoristisches und Trickreiches. Zum Karfreitag wähle ich bodenständigere Motive, auch wenn ich mir der Tatsache bewusst bin, dass die Darstellung von Essen am Karfreitag vielleicht grundsätzlich nicht das Richtige ist.

Also, ohne religiöse Gefühle verletzen zu wollen, hier eine Kurzvorstellung der Werke Jeanne Vadeboncoeurs. Die Arbeiten sind vordergründig profan, doch hinter der alltäglichen Fassade verbirgt sich eine Ahnung von Geheimnis. Diese Ahnung offenbart sich Stück für Stück, wie beim Häuten der unten abgebildeten Orange.

Ich gebe zu, bei angeknabberten Donuts ist man eher bei Homer Simpson als bei einer Ahnung von Geheimnis. Aber Donuts so zu malen, dass auch nur eine Idee von Geheimnis durch den Kopf schießt, setzt Können voraus. Und Jeanne kann et einfach.

Ich weiß nicht, ob das verzerrte Wahrnehmung ist, aber zumindest zum Teil unabhängig von BSE, Schweinegrippe und Tip-Tiefkühl-Tagliatelle mit Pferdestärken stelle ich in meinem direkten Umfeld, über das Internet und letztlich auch bei mir selbst einen Trend zur Abkehr von Fleisch fest.

Freunde, die früher ihr persönliches Fastfoodketten-Ranking leidenschaftlich verteidigten, begeistern sich jetzt für positive Effekte eines boulettenfreien Lebens. Vorteile und Herausforderungen eines neuen, vegan geführten Alltags diskutieren immer mehr Blogger in ihren Online-Tagebüchern und auch ich als eingefleischter Carnivore finde wirtschaftliche, ethische und gesundheitliche Gründe für weniger totes Tier im Warenkorb.

Vanessa Dualib zeigt augenzwinkernd neue Perspektiven im Vegetarismus auf. Anstatt heimliche Fleischgelüste von Vegetariern durch Fake-Meat zu bedienen, bastelt sie lieber drollig dreinschauende Tiere aus Gemüse. Als Advokat des würdevollen Umgangs mit Gemüse kann ich das nur gutheißen: Lieber Chili-Krustentier statt Rote Bete Flönz und Veggie-Patty!

Johnny Cash, James Brown und Andy Warhol gemeinsam auf einer Bühne. Diese Traumvorstellung vieler Fans gestaltet sich schon aufgrund von fehlender Lebendigkeit der Popkulturgrößen schwierig. Wie schaut es denn wenigstens mit der Kombination Trent Reznor, Elton John und Elvis Costello aus? Auch wenn die Idee nicht an Vitalitätsfragen scheitert, sage ich: eher unwahrscheinlich.

Ein Mensch, der das zu ändern im Stande ist, trägt den Namen Steve Casino. Das einzige, was Steve Casinos Namen an Genialität übertrifft, ist sein Erdnuss-Figurenensemble, das Ihr auszugsweise unten sehen könnt. Nicht nur schafft die Arbeit es, die obengenannten Ikonen zumindest für ein Foto zusammenzubringen. Gleichzeitig versorgt sie Steve auch mit ausreichend Erdnüssen, so dass er sich keine Sorgen um seinen Magnesiumhaushalt machen muss.

Damit Steves Magnesiumhaushalt auch in Zukunft ausgegelichen ist, könnt Ihr ihm Geld geben. Genauer gesagt zwischen 175 und 500 Dollar. Dafür erhaltet Ihr dann aber auch eine Erdnussfigur, die Eurem Abbild verblüffend ähnlich sieht. Zusätzlich spielt ihr auf einmal in einer Liga von Charlie Brown UND Snoopy. Ich finde das ist ein Deal, bei dem es nur Gewinner gibt – es sei denn, Ihr plant perfide Voodoopuppenmanöver!

Bei dem Problem, ob Epimenides, der Kreter, Recht hat, wenn er sagt: „Alle Kreter sind Lügner“, kann ich nicht helfen. Auch den Merksatz „Ausnahmen bestätigen die Regel“ bin ich nicht gewillt auseinanderzunehmen. Einzig für die Frage „Was war zuerst da – Henne oder Ei?“ habe ich dank Hong Yi alias Red erste Erklärungsansätze. Enschlüsselt die Kausalkette mit diesem Bild:

Überhaupt ist Red im Stande, Euer Weltbild auf links zu drehen. Wer an die Binsenweisheit bzw. Linsenweisheit (har, har) „Möhren sind gut für die Augen“ glaubt, wird dank des nachfolgenden Tigers eines besseren belehrt: Obwohl er zu großen Teilen aus Möhren besteht, hat er einen ordentlichen Silberblick!

Das Motiv sollte geläufig sein, hier mal aus Nori Blättern und Apfel. Wahlweise auf Hong Yis Internetseite oder ihrem Instagram Stream gibts aber noch mehr Input, unter anderem auch ein abgefahrenes Ai Wei Wei Portrait, stilecht in Sonnenblumenkernen.

Die ganze Tragik meiner Kochanfänge lässt sich am Beispiel der Kichererbse nacherzählen. Mit einer Mischung aus Unwissenheit und Kaltschnäuzigkeit versuchte ich zunächst bei einem Hummus-Rezept die Kichererbsen durch handelsübliche Bonduelle-Dosenerbsen zu ersetzen. Die Story endete mit einer befreienden Handbewegung: Die Pampe im Müll, die Küche eingesaut, der „Koch“ bereits mental auf dem Weg zum Pizzadienst.

„Es geht schlimmer“ dachte ich und meinte meinen damaligen Chef. Der schmiss noch ungekochte Nudeln in seine Bratpfanne und wunderte sich, dass trotz reichlich Bratfett die Hartweizengrießstifte nicht den gewünschten „al dente“ Gargrad erreichten.  Ziemlich unfassbar ist das. Und ein ziemlich schlechter Maßstab, um die eigenen Kochkünste zu bewerten.

Später brachte ich es noch zu Stande, Kichererbsen so lange einzuweichen, bis sie anfingen zu treiben und sich auf dem Wasser eine Schaumkrone bildete. Ich spare mir jetzt, den letzten Satz des ersten Absatzes sinngemäß zu wiederholen und biete dafür eine alternative Verwendung für die kleinen hinterhältigen Kügelchen an. Sadi Tekin, muss man gesehen haben.

Kennt Ihr noch Gullivers Reisen? Die Story handelt von dem Typen, der Schiffbruch erleidet und (zunächst) in „Liliput“ landet, wo er sich mit sechs Zoll kleinen Winzlingen arrangieren muss. Der zweite, auch nicht ganz freiwillige Stop seiner Reisen führt ihn in ein Szenario, in dem sich die Verhältnisse umgekehren. Hier ist er der Zwerg, seine Umwelt mutiert zu einer einzigen absurd großen Groteske.

Christopher Boffolis Protagonisten geht es ähnlich. Sie scheinen ihren Guide Michelin verloren zu haben, als sie nach einer stürmigen Seefahrt in einer fremden Welt stranden. Sie finden keine Sternetempel, dafür Lebensmittel, deren Größe ihre eigene bei weitem übertrifft. Zwischen Brombeer-Splatterphantasien, gargantuesken Orangen und schwindelerregend hohen Rigatoni spannen sich die Räume auf, die den Schauplätzen von Gullivers Reisen ähneln.

Cyberflaneure wie Du und ich wissen natürlich, dass die Idee nicht ganz neu ist. Trotzdem wüsste ich mich nicht bei dem Vorwurf der groben Fahrlässigkeit zu wehren, würde ich die frischen, pointierten und detailverliebten Arbeiten nicht vorstellen.
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