Archiv

Archiv für den Monat Januar 2013

Wer sich an Weihnachten noch nicht ausreichend mit Plätzchen vollgefressen hat, greift jetzt beherzt zur Keks-Schachtel aus dem Supermarktregal. Die sich auch hierzulande zunehmend an Zuspruch erfreuenden Oreos lösen jedoch nicht nur Heißhunger auf, wie Judith G. Klausner in ihrer Arbeit Oreo Cameo zeigt.
Bei ihr verwandeln sich die Kekse nach sorgfältiger Behandlung zu kleinen Kunststückchen. Der Keks wird zur Leinwand, wenn sie die Creme zurechtformt, sodass kleine Profile von Personen darauf erkennbar werden. Wie kleine Münzen wirken die Kekstaler am Ende. Ob sich diese jedoch zur Bezahlung eignen, hängt dann wohl doch von der Süßigkeitenaffinität des Handelspartners ab!

Wie viel Gegenliebe kannst Du aufbringen, wenn Deine Freundin das von der geliebten Omi vererbte Goldrandporzellan aus dem Keller ins Küchenregal befördert? Gibst auch Du Dich der verzückten Begeisterung über die blumig verzierten Habseligkeiten mit ideellem Wert hin?

Teilst Du die Meinung Deines Mannes, Eure Küche kann nicht ohne Rotationsverdampfer auskommen? Wie tolerant bist Du, wenn die Küche einem Ort zwischen chemischem Labor und industrieller Fertigungsstraße ähnelt?

Wer sich mit Fragen dieser Art auseinandersetzt, merkt, dass sich das Zusammenleben insbesondere in der Küche zur Geduldsprobe entwickeln kann. Wie so häufig in „den heutigen Zeiten“, hilft vor allem eines: Orientierung. Das gilt übrigens auch für Singles.

de bello culinario schickt sich an, den Ratgeber zu spielen, wenn es mal wieder heißt „Geld haben reicht nicht. Man muss auch wissen, für was man es ausgibt“. Daher wächst auf dieser Site eine neue Rubrik namens „Produktberatung“ heran, in der mehr oder weniger ernstgemeinte Konsumtipps für Köchinnen und Küchenbesitzer gegeben werden.

Zur Eröffnung findet die geneigte Leserschaft bereits das ultimative Förmchen zum Spiegelei braten, Damien Hirst’ige Eiswürfelförmchen und Kapselheber für National Rifle Association Mitglieder. Klick!

Zur visuellen Unterstützung hier noch eine Infografik zum Thema Küchenutensilien von einer meiner absoluten Lieblingsseiten im Internet. Ein ähnliches Poster gibts auch zum Kauf, womit wir thematisch schon wieder bei meiner neuen Rubrik wären!

Willkommen zurück bei Eurem Lieblingsblog der freigestellten Lebensmittel auf einfarbigen Hintergründen. Heute im Programm: „Fruchtschnitte“ und gepießtes Obst.

Florent Tanets Arbeiten sind reduziert, verdichtet und lassen sich nicht leicht interpretieren, schmeicheln dabei aber äußerst galant dem Auge. Die von der Perspektive lebenden Photos stammen aus der Serie „La grande Epicerie de Paris – Le Bon Marché“, die in Gänze auf der Homepage von Florent Tanet zu bestaunen ist.

Als Pänz verdrückte ich zur großen Pause stets geschmierte Brötchen, etwas Obst und Gemüse sowie eine Süßigkeit. Das war gemessen an dem, was sich Mitschüler einverleibten, schon ein kulinarischer Kracher. Die zogen häufig mit einem Heiermann bewaffnet zum Kiosk, um sich dort Schokocroissants und Snickers zu besorgen.

Als ich ein Austauschjahr in den USA verbachte, nahm ich mir Peanutbutter & Jelly Sandwiches mit in Schule bis ich erkannte, dass die Coolen sich das Essen in der Schulmensa kauften – wozu ich dann, je nach Budgetlage, auch gehörte. Das Essen dort entsprach dem der gängigen Fastfoodketten: Chickenburger, Cheeseburger und Pommes. Nicht besonders gesund und nicht besonders ausgefallen.

Anders handhabt es Heather Sitarzewski aus den USA. Sie bereitet ihrem Sohnemann abwechslungsreiche Minimenüs vor, die nicht nur durch Kombinatorik, sondern auch durch die Assemblage verblüffen. Das Wort „liebevoll“ reicht nicht aus, um die Detailverliebtheit zu umreißen, die die Designerin bei der Zubereitung der Lunchbox an den Tag legt. Besonders beeindruckt hat mich das Bildarchiv auf ihrer Seite. Diese Frau muss tatsächlich sehr häufig sehr früh aufstehen, um soetwas zu Stande zu bringen. Ich unterstelle wohlwollenderweise, dass die Lunchboxen nicht am Vorabend gestaltet und abgelichtet werden, um dem Kleinen dann die verwelkten Gemüsegesichter mitzugeben!

Wer sich grundsätzlich für das Thema „Essen in der Schule“ interessiert, sei auf die Seite NeverSeconds verwiesen. Dort postet die Schülerin Martha Payne aus Schottland, was ihre Schule ihr so täglich vorsetzt. Die Site hat wahnsinnig Wellen geschlagen, bei Jamie Oliver, BBC, tausenden von Lesern weltweit und vor allem auch bei den Leuten, die verantwortlich für das Essen in ihrer Schule sind. Aaaber.. ich schweife ab. Wen das interessiert, sei der Wikipedia Eintrag zu Never Seconds ans Herz gelegt, jetzt aber erst einmal die tollen Kreationen von Heather:

Lebensmittel in Alufolie. Viel mehr Worte braucht man nicht, um die Arbeiten aus Giorgia Zanellatos Serie Space Food zu beschreiben. Nichts besonderes, könnte man meinen, ist das Aufbewaren von Lebensmitteln in Alufolie doch ein alltäglicher Vorgang – unsere Kühlschränke würden vermutlich vor Langeweile gähnen. Und doch schafft die Künstlerin es, mit ein paar Handgriffen unsere Synapsen in Aufruhr zu bringen, wenn sie Banane, Burger oder Donut in Alufolie einwickelt und ablichtet.

Ob man bei dem Einwickeln an Christo und Jeanne-Claude denkt, bei der Banane an Warhol und Velvet Underground oder bei dem Glitzern der Folie und dem Nasa-Sticker an den im vergangenen Jahr verstorbenen Neil Armstrong, ist zunächst nebensächlich. Es zählt ersteinmal, dass man überhaupt an etwas anderes als an Konservierung von Verderblichem denkt – und sei es nur eine ironische Definition von Astronautennahrung.
Mehr Ideen des Kalibers finden sich auf der Website der Künstlerin.
Giorgia Zanellato Burger

Photo © by Alberto Ferretto

Giorgia Zanellato Banana

Photo © by Alberto Ferretto

Giorgia Zanellato Donut

Photo © by Alberto Ferretto

Es ist nicht die offensichtlichste Paarung, die einem einfällt, wenn man über die Kombination unterschiedlicher Landesküchen nachdenkt. Die filigranen Sushi Häppchen und das bodenständig-zünftige osteuropäische Essen scheint meilenweit auseinander zu liegen. Die Macher von Eastern Europe Sushi beweisen, dass das Gegenteil richtig sein kann. Insbesondere das Image des Schweren und Schlotzigen des Osteuropäischen wird durch die Reduktion und Akkuratesse des Japanischen abgefedert. Es entsteht eine Fusion Küche, die die Macher selbst als kreativ, innovativ und manchmal verrückt beschreiben. Vollkommen zu Recht, wie debelloculinario befindet.

Die Website lohnt übrigens nicht nur wegen der tollen Ideen und inspirierenden Bilder. Neben einer professionellen Programmierung und einem erstklassigen Design gibt es eine hochunterhaltsame „Eastern European English“-Version zu bestaunen.

Bei dem Ausdruck „Brot und Spiele“ denkt man an die politikverdrossene Gesellschaft. Man denkt an Sättigung und Unterhaltung. Man denkt nicht an eine Burschen, der auf pappiges Brot Formen pinselt und es auf ungeklärte Weise schafft, damit zu mehr zu begeistern als das Durchschnittsgrundschulkind. Shoko Masunaga macht genau sowas. Ich empfehle den Klick auf die Website, auch auf die Gefahr hin, dass das Japanisch unverstanden bleibt – Google Übersetzungstool hin oder her. Foodisten mit Affinität zur Artsyness: enjoy!

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