Erster Eindruck:
Kein starker Geruch, kein starker Geschmack – das passt zu der von der Vermarktung in den Vordergrund gestellten (vermeintlichen) Herkunft des Bieres. Denn so blass wie der erste Eindruck von Grönland sein mag, so ist auch der “seines” Bieres.

Das sagt der Geschmack:
Ich will nicht sagen, dass dieses Bier nach Wurst schmeckt. Nein, wahrscheinlich versteckt sich nur eine leichte Malznote hinter der Zurückhaltung, die versucht jegliche Garstigkeit abzuwenden. Weder die Leichtigkeit, noch der leicht trockene Nachgeschmack oder die schaumfreie Krone deuten darauf hin. Aber trinkt einen Schluck und denkt an eine original Mailänder Salami… Na?

Wenn Du abschweifst…
…träumst Du Dich in getrocknetes Heu in der Sommersonne und leichtes, kaum wahrnehmbares Knistern. Das kontrastiert mit der kargen, rohen, kalten Grönland-Landschaft auf der Flasche. Plötzlich erwachst Du und stellst fest: Alles nur ein Traum, das Bier wird tatsächlich ganz woanders gebraut.

Grønland Ice Cap Amber Lager

Erster Eindruck:
Charakterstark, ausdifferenziert, balanciert.
Das sagt der Geschmack:
Orientalische Gewürze und Kräuter liegen in der Nase. Die Angst, dass die 7,2% in bester Dampfhammermanier alles plattwalzen, bleibt unbegründet. Die einzelnen Komponenten wirken stimmig in ihrer Kombination und gehen leicht und schnell die Kehle runter. Danach bleibt ein traubig-trockener Nachhall. Ist die Flasche leer, beginnt man auch an die 7,2% zu glauben.
Wenn Du abschweifst…
…sitzt Du in Deinem kleinen Hobbithaus und trinkst aus metallernen Kelchen. Das Wetter ist sehr gut, aber nicht zu heiß. Dadurch hältst Du es auch in Deinem Wohnzimmer gut aus, in dem die Decke nur 1,2m hoch ist. Obwohl Dich eine dunkle Ahnung von Sauron umtreibt, genießt Du den Augenblick: Life is good.
Torpedo
Mailand dürfte mit Da Vincis letztem Abendmahl als zentrale Pilgerstätte der Wallfahrtsort für Food Art Fans sein. Für meinen noch jungen Blog ist das letzte Abendmahl natürlich viel zu endgültig, außerdem braucht das Internet aktuell wohl andere Dinge dringender als ein neues Abbild des Gemäldes aus der Renaissance. Nur deswegen und nicht etwa, weil die Tickets schon Monate im voraus ausgebucht sind, habe ich mir den Besuch im Kloster Santa Maria della Grazie, wo das Wandbild zu sehen ist, gespart.

Zum Glück ist Mailand nicht nur die auf Pomp und Glamour gekämmte Modehauptstadt, sondern auch eine lebendige Metropole, die an manchen Ecken überraschenderweise eher an Berlin erinnert, als an eine Kulisse für Fashionweeks. Altruistisch wie ich bin, habe ich mich für Euch von den Sights über Hipsterviertel hin zu unwahrscheinlichen Spots bewegt, um Mailands Liebe zum Essen zu untersuchen.

All das konnte ich erleben, weil der chinesische Teeproduzent Tasly so nett war, mich dazu einzuladen. Als ausgewiesener Tee-Connoisseur erwies ich mich als die richtige Wahl – mein hartes, aber faires Urteil findet ihr unter dem entsprechenden Bild, genauso wie die Kommentare zu meinen sonstigen Schnappschüssen.
Nicht nur ich weiß, dass man den Mailänder Dom am besten vom Museo del Novecento aus fotografiert.

Nicht nur ich weiß, dass man den Mailänder Dom am besten vom Museo del Novecento aus fotografiert.

Luini Milano

Das klassische Mailänder Street Food heißt “Panzerotti”, kleine Calzone Pizze mit etwas fluffigerem Teig. Wer alles richtig macht, kauft diese materialisierten Plädoyers für geschmolzenen Käse bei der Kultadresse Luini (und isst sie direkt auf der Straße davor)

Eataly Milan

Ohne Rolltreppen keine Competition! Eataly ist soetwas wie die Foodie-Variante des KaDeWes. Auf mehreren Ebenen findet der Spezialitätenhunter hier alles, was sein essensfixiertes Herz begehrt. Die Ränder säumt ein Bistrostreifen, der den unerträglichen Geräuschpegel durch gutes Essen kompensiert.

Bere Buona Birra Milan

Wer immernoch glaubt, mit Wohnsitz im Bundesgebiet lebe man im Bierzentrum der Welt, muss sich Fragen gefallen lassen. Grund hierfür sind Craft-Beer Bar/Shop Konzepte wie das von Biere buona Birra, wo man in Café Atmosphäre in Fachzeitschriften blättern, die anderen Besucher mustern oder einfach spannende, hochwertige Biere in Manufakturqualität probieren kann (Auf dem Bild zu sehen übrigens ein Kölsch, etwa 40 km von Mailand entfernt gebraut).

Tasly Deepure Pu-Erh

Ähnlich altruistisch motiviert wie ich (s.o.) gab mir Gastgeber Tasly seinen neuen “Deepure”-Tee aus. Aus einer Ur-Form des Teestrauchs wird ein sich selbst auflösendes Pulver hergestellt, ähnlich wie bei dem Matcha Tee. Der nussig-harzige Geschmack stimmt absolut, spannenderweise differiert er erheblich von typischen Tees. Das angeblich sogar gesundheitsfördernde Tee-Pulver ist noch nicht im Handel, insofern erteile ich den Kaufbefehl zu einem späteren Zeitpunkt noch:-)

PECK Milan

PECK heißt die altehrwürdige Adresse für Feinkost und Normalkost zu Feinkostpreisen. Den bislang teuersten Pfirsich meines Lebens erstand ich hier für 4,34 €. Ich war maßlos enttäuscht, denn er schmeckte höchstens nach 3,68 €. Wer sich hier das Verwirrspiel um Zahlungskarten, Bons und Abholstationen nach dem Bezahlen ausgedacht hat, gehört bestraft. Dennoch, bzw. auch ein wenig deswegen ist der Laden ein echtes Erlebnis.

Fondazione Prada

Straßenverkäufer liefern mit Selfiesticks vor dem Flagship Store Pradas in der protzig-schönen Galleria Vittorio das nötige Equipment für den neuen Touri-Massensport. In einer abgelegenen Ecke seiner Heimatstadt gönnt sich das Modelabel zusätzlich einen jungen, hippen, in seiner Funktion nur schwer fassbaren Campus. Fondazione Prada heißt das Cluster zwischen Ausstellungsort, Kino, Hangout und der vom Regisseur Wes Anderson gestalteten Bar Luce. Selfiesticks müssen hierhin jedoch selbst mitgebracht werden.

 

Lambiczoon

Keine Frage, das IPA ist wohl nach wie vor der beliebteste Craft-Beer Stil. Umso erstaunlicher, dass sich die stylishe Craft-Beer Bar Lambiczoon nach dem doch noch eher nischigem Lambic benannt hat. Man beschränkt sich hier jedoch nicht auf die spontanvergorene belgische Spezialität: Hier trank ich die zweite italienische Interpretation des Kölsch Braustils zu einem kleinen Burger, der mit Ardbeg Whisky flavoured Mayo und “tuscan cigar smoked bacon” vollends überzeugte.

Bianchi Milan

Wie auch Prada gönnt sich der Radhersteller Bianchi in seinem Heimatort eine besondere Extravaganz. Sherlock Holmes’sche Qualitäten muss der Besucher mitbringen, der erraten möchte, dass es sich hier um ein Fahrradgeschäft handelt.

Mailand

Entdeckungen am Wegesrand verdichten das Gewebe der Erinnerung an den Kurzaufenthalt

Tyrannosaurus Milan

Selbst die letzten noch lebenden Dinosaurier Mailands flüchteten, als die Foodblogger-Phalanx über die Straßen pflügte.

Streetart Milan

Noch Fragen?

In einem separatem Post werde ich Euch noch ein paar sachdienliche Hinweise zur Expo 2015 in Milan liefern. Für heute soll es aber reichen mit der Bilderflut.

Becks 1873 Pils

Becks 1873 Pils

Erster Eindruck:
Positiv geprimt. Denn nach der Arbeit husche ich in den Plattenladen, um mir das neue Blur Album auf Vinyl zu sichern. Ich denke, ich bin spät dran, denn die Kritiken sind gut und das bedeutet “ausverkauft”-Gefahr. Ist es ausverkauft hat man die Wahl des dreifachen Preises auf Ebay oder des Schmachtens. Ich sehe es, trage es zur Kasse und bringe die Transaktion zügig über die Bühne. Ob ich Bier trinke, fragt mich der Händler, den ich eigentlich nicht mag, weil er mich in der Vergangenheit abkanzelte, weil ich 35€ für einen zu hohen Preis für eine Schallplatte hielt (“Kannst ja gucken, wo de das billiger krichst”). Ich antworte überrascht verzeihend “Ja, aber ich muss nach Hause…Frau und Kind warten…”. Er reicht mir den Dreierträger von Beck’s neuer Craftserie über die Theke und ich freue mich doppelt: Vinyl und Bier, das wohl (fast) Beste, was man für Geld kaufen/geschenkt bekommen kann.

So ist es:
Hier hört der Spaß jetzt leider auf. Die Überschrift ist auch falsch. Ich könnte mehr darüber schreiben, was dieses Bier nicht ist, als was es ist. Bevor der Zorn nun aber aus mir herauspustet, wie Luft aus einer prall aufgepumpten Luftmatratze, aus der man den Stöpsel zieht, eins nach dem anderen. Die Farbe deutet darauf hin, dass bei dem Pils, bei dem man dem Originalrezept zu gedenken versuchte, nichtmals Pilsner Malz verwendet wurde. Kleinkariert sagst Du? Ok. Der Geruch. Was ich am Beck’s Pils immer witzig fand war, dass wenn man an der Flasche roch, nachdem man sie öffnete, es ein wenig nach Gras, also Marihuana roch. Hopfen und Marihuana stammen wohl aus der gleichen Pflanzenfamilie, so die Erklärung. Egal, das ist bei diesem Bier nicht der Fall. Dafür teilt es mit dem weltbekannten Fernsehpils jedoch den dünnen Geschmack. Hat aber, trotz der gerade mal 6 Volumenprozent einen ordentlich sprittigen Beigeschmack. Der bleibt sogar noch ein wenig nach dem Herunterschlucken im Mund, als habe man sich ein paar Tropfen Vodka auf die Zunge geträufelt. Während bspw. Bitburger für seine Craft Biere einen neuen Namen fand (“Craftwerk”), um sich das eigene Image nicht zu zerschießen und sie so spannende, leckere, fair bepreiste Crafts produzieren konnten, wählte Becks den gleichen Namen und traute sich nicht so recht, experimentell zu werden.

Wenn Du abschweifst..
..sitzt Du mit Josef Groll, dem Vater des Pilsner Braustils, in Pilsen, bei Pilsener Urquell. Du reichst ihm ein Glas “Beck’s 1873 Pils” und er ist skeptisch. Er probiert es und befiehlt, Beck’s möge doch zunächst an dem obergärigen Brauverfahren probieren, bevor sie sich an dem neuen untergärigen Brauverfahren versündigen. Als er über Farbe, Aroma und Geschmack doziert, machst Du Dich aus dem Staub.
Things money can(not) buy.

Things money can(not) buy.

Ich gebe zu, sperriger kann man Überschriften kaum formulieren. Wenn dann auch noch die darauffolgenden Zeilen nicht zünden, sitzt man in der Patsche. Ich versuche also, das Ruder auf meine Seite zu reißen.

In den USA sind Überraschungseier verboten. Dem ist so, weil ein Gesetz Lebensmittel verbietet, die nicht essbare Bestandteile einschließen. Zuwiderhandlung? 2.500 Dollar. Da klingelt die Staatskasse und der Kopf, wenn einem am Zoll die witzigen, typisch deutschen, ähh, italienischen Mitbringsel für die Kinder abgenommen werden.

Nun schreit auch der US-amerikanische Markt nach Spannung, Spiel und Zucker und hier schicken sich die Frühstückscerealienboxen an, um auszuhelfen. Quietschebunt mit den Gesichtern der beliebtesten Figuren aus Film und Fernsehen gelabelt stechen sie ins Auge und versprechen, versetzt mit etwas Milch, Gaumenfreuden ganz nach Kindergeschmack.

Mein Spotlight richtet sich heute auf Jim Bachor. Er muss die Ergebnisse der Lebensmittelindustrie genauso erstaunlich gefunden haben wie ich, ansonsten hätte er die Milchtreiblingsboxen wohl kaum zu dem Gegenstand seiner Arbeiten gemacht haben. Doch Jim Bachor geht einen Schritt, bzw. eher einen Gewaltmarsch weiter. Er mosaiziert die von antiken pompejianischen Fundstücken und frischen Lebensmitteln umgebenen Produkte nach. Das ist etwas schwerer zu verdauen, als ein paar gepoppte Reiskörner auf Kuhmilch. Ob wilder Stilmix, Rätsel in Stein oder geniale Auseinandersetzung mit pop-kulturellem Essen: eine Alternative für ein Ü-Ei oder für eine misslungene Überschrift hat Jim allemal.

Frühstückscerealien im Mosaik by Jim Bachor

© by Jim Bachor

Frühstückscerealien im Mosaik by Jim Bachor

© by Jim Bachor

Frühstückscerealien im Mosaik by Jim Bachor

© by Jim Bachor

Kreativität bei der Pizzabäckerei ist meistens keine gute Idee. Wer sich durch die Imbissklasse der Provinz durchprobiert, wundert sich nicht selten über Pizza mit Spargel und Sauce Hollandaise, Pizza mit Nudeln oder Belagkombinationen wie Dosenthun und Ananas.

Für das Kreativstudio “Black Pizza” haben Erwan und Julie ein wenig weitergespinnt und interessante Pizzabelag-Kombinationen erfunden, die selbst Pizza Döner übertreffen. Man war hierbei sogar so frei, sich von den typischen Farbtönen zu lösen.

Herausgekommen ist ein Pandämonium aus monochromen Pizze mit Visitenkarten, Quietscheentchen und Kakteen. Ich verstehe die Arbeiten aus kulinarischer Sicht: Kritik am Frevel an der Pizza mit Mozzarella, Tomaten und Basilikum. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass dem Black Pizza Studio auch andere Lesarten genehm sind. Um die zuzulassen, sollte jedoch hier geklickt werden.

Schwarze Pizza

© by Black Pizza Studio, Paris

Grüne Pizza

© by Black Pizza Studio, Paris

Gelbe Pizza

© by Black Pizza Studio, Paris

Plastillin in Wurstbrötchen nachgewiesen! – Was sich liest wie der nächste Lebensmittelskandal entpuppt sich beim Betrachten der unten abgebildeten Beweisfotos als mehr oder weniger harmloses neues Beispiel für Food Art.

Während mir Knete vor allem aus meiner Kindheit in Erinnerung geblieben ist, hat Mathilde Nivet das Potenzial des Materials aufgedeckt und bastelt uns ein paar Figuren zurecht, dass Zappas Baby-Snakes Knet-Animationen das Fürchten gelehrt wird.

Nicht, dass wir es hier mit Knethyperrealismus zu tun hätten, gerade der bewusste Verzicht auf Perfektion wirkt mit den über die Objekte gelegten Klunkern irritierend genug, als dass ich mich zu einer Klickempfehlung hinreißen lassen kann.

Pop Corn von Mathilde Nivet

© by Mathilde Nivet

Hot Dog von Mathilde Nivet

© by Mathilde Nivet

Fruit Loops von Mathilde NIvet

© by Mathilde Nivet

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