Kreativität bei der Pizzabäckerei ist meistens keine gute Idee. Wer sich durch die Imbissklasse der Provinz durchprobiert, wundert sich nicht selten über Pizza mit Spargel und Sauce Hollandaise, Pizza mit Nudeln oder Belagkombinationen wie Dosenthun und Ananas.

Für das Kreativstudio “Black Pizza” haben Erwan und Julie ein wenig weitergespinnt und interessante Pizzabelag-Kombinationen erfunden, die selbst Pizza Döner übertreffen. Man war hierbei sogar so frei, sich von den typischen Farbtönen zu lösen.

Herausgekommen ist ein Pandämonium aus monochromen Pizze mit Visitenkarten, Quietscheentchen und Kakteen. Ich verstehe die Arbeiten aus kulinarischer Sicht: Kritik am Frevel an der Pizza mit Mozzarella, Tomaten und Basilikum. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass dem Black Pizza Studio auch andere Lesarten genehm sind. Um die zuzulassen, sollte jedoch hier geklickt werden.

Schwarze Pizza

© by Black Pizza Studio, Paris

Grüne Pizza

© by Black Pizza Studio, Paris

Gelbe Pizza

© by Black Pizza Studio, Paris

Plastillin in Wurstbrötchen nachgewiesen! – Was sich liest wie der nächste Lebensmittelskandal entpuppt sich beim Betrachten der unten abgebildeten Beweisfotos als mehr oder weniger harmloses neues Beispiel für Food Art.

Während mir Knete vor allem aus meiner Kindheit in Erinnerung geblieben ist, hat Mathilde Nivet das Potenzial des Materials aufgedeckt und bastelt uns ein paar Figuren zurecht, dass Zappas Baby-Snakes Knet-Animationen das Fürchten gelehrt wird.

Nicht, dass wir es hier mit Knethyperrealismus zu tun hätten, gerade der bewusste Verzicht auf Perfektion wirkt mit den über die Objekte gelegten Klunkern irritierend genug, als dass ich mich zu einer Klickempfehlung hinreißen lassen kann.

Pop Corn von Mathilde Nivet

© by Mathilde Nivet

Hot Dog von Mathilde Nivet

© by Mathilde Nivet

Fruit Loops von Mathilde NIvet

© by Mathilde Nivet

Wenn sich alljährlich in meiner Nachbarschaft der Kölner Rosenmontagszug aufstellt, lohnen sich die paar Schritte zum Chlodwigplatz. Wagen, Daraufstehende, ihre Kostüme und Betrunkenheitslevel helfen den Stand des lokalen Karnevalsbrauchtums zu eruieren. Aufgeschnappte Gesprächsfetzen und die Gemengelage unterschiedlichster Menschen unterhalten zudem.

Während die Karnevalisten in ihren Veedel und Vororten zurückgekehrt individuelle Definitionen von Fasten leben, fängt der Karneval auf de bello culinario jetzt an. Gemüse, Gewürze und sonstige Geschmacksgeber verkleiden sich heute (wieder) als Klassiker aus der Kunstgeschichte.

Da geht die Melone als Mondrian, Trauben und Reis als Van Gogh und ein mit schwarzem Kaviar gefülltes Rechteck macht schwer auf Malewitsch. Mein absoluter Favorit ist jedoch die Auberginen-Melone als Magritte, die sogar korrekte Lichtreflexionen integriert. Tatiana Shkondina (Facebook) feiert ihren Foodkarneval, auch wenn das Trömmelche mal gerade nicht geht.

Auberginen Mummenschanz

© by Tatiana Shkondina

Melonen Masquerade

© by Tatiana Shkondina

Dali aus Essen

© by Tatiana Shkondina

Die Samtdecke ist nur für den Moment drapiert, nicht plissiert, darauf funkelt das industriell hergestellte Eis in rosa und rot. In ähnlichen Farben wiegt das Himbeerwasser (?) im Flamingoglas in 90er Leonardo Ästhetik, eine herunterlaufende Träne sorgt für “Drama, Baby” und der leicht geöffnete Mund entscheidet sich nicht so recht zwischen lasziv und tumb. Das Aufreizende wird in seinem Nachdruck auf Bild #3 auf die Spitze getrieben: kandierte Kirsche, offener Mund, sich abseihender Tropfen… mehr geht kaum ohne pornografisch zu werden.

Die “Amour Fou” Serie von Emma Hartvig hat durchgängig gerötete Wangen, kann sich nicht entscheiden zwischen Groschenroman-Ästhetik und Ernsthaftigkeit, in der Überästhetisierung entwickelt sich die Spannung. Die gewählten Speisen fügen sich passend ins Konzept. Weder Vienetta-Eis, noch Fruchtpunsch oder Cocktailkirsche lösen mehr Begeisterung aus als ein Toast Hawaii und gerade deshalb funktionieren sie hier so wunderbar.

Emma Hartvig heißt die verantwortliche Künstlerin, der wir dieses Juicy Pleasure zu verdanken haben. Der Seitenbesuch lohnt sich nicht nur, um herauszufinden, was sie alles mit den anderen Farben anstellt.

Emma Hartvig fotografiert Eis

© by Emma Hartvig

Emma Hartvig fotografiert Tränen

© by Emma Hartvig

Emma Hartvig fotografiert Kirsche im Mund

© by Emma Hartvig

Erster Eindruck:
Mit der Kritik des Etiketts ließen sich schon Abschlussarbeiten von Designstudenten füllen. Das amateurhafte Bild, der Photoshopeffekt darauf und die unfassbare Menge an Text zeugen davon, dass die Brauerei keine Budgets an professionelle Werbeagenturen zu verschwendet hat. Das ungewöhnliche Äußere, dazu die opake Flüssigkeit in der Flasche wecken dennoch das Interesse für etwas, was nach Brot und Kombucha riecht und geschmacklich irritiert.

So ist es:
Da röhrt die Fermentierung noch nach, möchte man meinen, wenn man das zwar leichte aber charaktervolle Bier probiert. Ganz präsent ist nämlich die Hefe, deutlich schmecke ich Nelke heraus, was nicht so absonderlich für den Freund des Craftbeers klingt. Ein schwefeliger Geschmack irritiert, Fruchtaromatik spielt sich hintergründig ab. Heruntergeschluckt bleibt ein bitterer Nachhall auf den Hefegrundton. Was bei fortschreitender Leerung klar wird: hier gehts auch um Erde, um Holz und um Waldboden. Grodziskie, die Trüffel des kleinen Mannes.

Wenn Du abschweifst..
..ziehst Du Bilanz. Du kommst von Warsteiner, Becks und Krombacher und hast Dich in die Welt der IPAs und dunklen Trappistenbiere vorgearbeitet. Du kennst jetzt den Geschmack von hellem Malz und dem von dunklem, du schmeckst Centennial Hopfen aus einer Mischung heraus. Du bist kurz davor, Dich sicher zu fühlen, bis Dich Grodziskie trifft und Du nochmal von vorne anfangen musst – finde ich das gut? Ist das eines der spannendsten Biere überhaupt oder ein Braufehler? Du bist etwas verwirrt, aber dafür ganz, wirklich ganz weit weg von der Langeweile.

Grodsziskie

Erster Schluck:

Wer aufgrund der dunklen Farbe denkt, hier bilde das Malz den Dreh- und Angelpunkt, sieht sich aufs Glatteis geführt. Denn alles, was bei der ersten Nase ankommt ist Hefe. Vor dem ersten Schluck schwant Brotigkeit.

Das sagt der Geschmack:

Wenn man die Masse an Weizenbieren unterteilen kann in die, die nach Banane schmecken und die, die nach Nelke schmecken, gehört das Roog definitiv zu der Kategorie der Nelkenbiere. Doch keine Angst, was da im Glas funkelt ist kein Chai Latte und kein Weihnachtsgewürzkuchen. Das Flaschenetikett verspricht Aromen von gebrannten Mandeln, die wohlwollend auch wahrgenommen werden können. Doch die Angelegenheit ist komplexer als gebrannte Mandeln und Nelke. Die Melange schmeckt würzig, rauchig, die Röstmalze sind fast zu stark eingesetzt, ein volles Winterbier, das verwirrt, da es so atypisch schmeckt und nicht ansatzweise so brotig daherkommt wie der erste Eindruck es nahelegte.

Wenn Du abschweifst…

…sitzt Du in der Räucherkammer, schmeißt den Schinken raus, legst eine Lage Buchenholzspäne drauf und streichst das Getreide auf die Darre. Nicht alle archaischen Zubereitungen von Lebensmitteln, so klärt in diesem Augenblick der Rauch, stehen in der Weber Grillbibel.

BraufactuM Roog

Während sich die Mehrheit zum Jahresende um versöhnliche Töne, tröstende Worte und verbindende Elemente bemüht, geht de bello culinario, dem Namen folgend, voll auf Konfrontation.

Heute plädiere ich stark für die Schwarzweiß-Malerei von Anil Akkus, die eigentlich eher eine Schwarz-Weiß Fotografie ist. Ich bin mir zwar nicht ganz sicher, gegen wen hier rebelliert wird, aber vermutlich ist die Zahl derer, die ein Problem mit schwarzen Ananas im Supermarktregal haben, nicht allzu klein. Also Freunde, ich meine Euch!

Ob Anil Akkus auch so konfliktfreudig ist, weiß ich nicht, denn von ihm kenne ich nur seine von Talent, Ausdruckskraft und Fingerspitzengefühl verkündenden Arbeiten, die Ihr auszugsweise unten sehen könnt.

Für all jene, die das Künstlerportfolio auf einer klassischen Website erwarten, habe ich auch noch eine Botschaft: Sein Behance Profil.

Insofern: Euch allen ein brisantes Rest-2014 und ein knackiges 2015!
Schwarze Ananas von Anil Akkus

© by Anil Akkus

Weiße Frucht von Anil Akkus

© by Anil Akkus

Wachteleier von Anil Akkus

© by Anil Akkus

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