Erster Eindruck:
“Ich finde es ja nicht gut, wenn die da so künstliche Sachen reinmachen, damit das auch Leuten schmeckt, die Bier normalerweise nicht mögen” – wait, what?

Das sagt der Geschmack:
Gaffels Sonnenhopfen ist ein Beweis für das Gelingen von Craft-Beer, für das sich etabierte Brauereien verantwortlich zeigen. In der Tat schmeckt das Bier, als seien nicht nur Hopfen, Malz, Hefe und Wasser Bestandteile der Rezeptur, sondern auch Früchte. Am deutlichen ist Zitrone und Holunder herauszuschmecken, doch auch weitere Zitrusnoten und beerige Nuancen erkennt der hingebungsvolle Verkoster. Mit Ausnahme der obergärigen Hefe ähnelt der Sonnenhopfen dem Kölsch, für das Gaffel in erster Linie bekannt ist, wenig.
Wenn Du abschweifst…
Lässt Du in der Arena Dein geliebtes Weizen in der Sommersonne gegen Gaffels Sonnenhopfen antreten. Auf der einen Seite der Held, der alles abgeräumt hat, der Publikumsliebling. In der anderen Ecke der Underdog, der Herausforderer, der David, bereit, alles zu tun, was es erfordert, um den Titel zu holen. Es ist der Kampf von zwei obergärigen Schwergewichten, der eine mehr Banane, der andere mehr Holunder. Am Ende kann es nur einen geben. Fortsetzung folgt.
Gaffels Sommerhopfen

Erster Eindruck:
Das geht zu weit! Ich bin kein intoleranter Verfechter des Reinheitsgebots, aber wenn Limonade Bier spielt, spiele ich den Sittenwächter.

Das sagt der Geschmack:

Schon das Bouquet liefert starken Grapefruit Ingwer Duft in einer Dominanz, dass man eine Vermisstenanzeige für Hopfen und Malz aufgeben möchte. Was mir gefällt: die Ingwerschärfe kitzelt belebend den Rachen. Leider unterscheidet es sich geschmacklich kaum von der Brause Ginger Ale und ist deswegen trotz leicht vernehmbarer Apfelnote vor allem eines: zu süß.

Wenn Du abschweifst…
…..tanzt Du in die Nacht bevor die Prohibition eingeführt wird und du schlürfst das letzte Ginger Ale, was auch ein Ale, also ein Bier ist. Du trinkst genüsslich und hast keinen blassen Schimmer davon, dass Dein Lieblings Alcopop in den nächsten Jahrzehnten eine alkoholfreie Karriere hinlegen wird, die nur von Cola übertroffen wird.

Crabbie's Original Ginger Beer

Wer sich nicht für eine “echte” Reise entscheiden kann, möchte oder darf, hat immer noch die Möglichkeit einer kulinarischen Entdeckungsreise. Die kann so aussehen, dass man sich bei McDonalds reinsetzt, um echte amerikanische Küche kennenzulernen. Oder man liest Blogs, so wie diesen, auf dem (mehr oder weniger) regelmäßig kulinarische Reiseberichte erscheinen. Oder noch besser: Man schaut sich an, was die Welt der Food Art zu bieten hat. Einiges hat sie zu bieten, so viel weiß ich von Anna Keville Joyce und Agustin Nieto.

Anna bastelt “Ess-Teller” zu osteuropäischen Metropolen, die ich recht pfiffig finde. Leider existieren bislang nur wenige Städte-Teller, weswegen ich von einer Erweiterung der Serie träume. Vielleicht lege ich selbst nach und liefere einen Köln Teller ab, auf dem der Dom aus halvem Hahn, Himmel un Ääd und Äzezupp gefrickelt wird. Um die Wartezeit darauf zu verkürzen, hier die Varianten von jemandem, der das wirklich kann:
Bucharest in food

© by Anna Keville Joyce & Agustín Nieto

Warsaw in food

© by Anna Keville Joyce & Agustín Nieto

Prague in food

© by Anna Keville Joyce & Agustín Nieto

 

 

Erster Eindruck:
Verschiedenste Gründe sorgen dafür, dass ich über ein Bier schreibe. Mal ist es eine Empfehlung, mal eine ausgefallene Herkunft, mal eine Besprechung, die ich interessant fand. Ganz anders verhält es sich bei der Karpfen-Weisse. Hier veranlasste mich ausschließlich der ausgefallene Name zur Rezension. Angesichts des skurrilen Ergebnisses der Namensfindung lässt sich der erste Eindruck nur mit einem Wort beschreiben: “Verblüffen.

Das sagt der Geschmack:
Die typische bananige Fruchtigkeit fehlt diesem Weizen nicht. Dennoch hebt es sich durch süffig-saftige Schmatzigkeit von dem typischen Großbrauerei-Einheitsbrei ab. Die geschmacklichen Nuancen wirken komplexer, jedoch optimal balanciert und harmonieren weich. Starker Hefegeschmack, vor allem im Abgang, unterstreicht nochmals, was man sich sowieso schon dachte: Der herbe Rahm ist vielmehr eigener Gang als unauffälliger Komparse.

Wenn Du abschweifst…
…bist Du als Kind in den Braukessel mit der Karpfen-Weisse gefallen und deswegen mit Kraft ausgestattet, problemlos die Qualität eines guten Weizens bemessen zu können. Du musst mit dieser Kraft jedoch vorsichtig taktieren – kommt Dein frühkindliches Erlebnis heraus, kann es sein, dass Dir für immer der Zugang zur Karpfen-Weisse untersagt wird. Trotz der frühen Impfung ist Dir nicht klarer als allen anderen Fans der Karpfen Weisse, wie dieses außergewöhnliche Bier zu seinem Namen kam.

Karpfen Weisse

Erster Eindruck:

Es dominiert Überraschung, dass diese Flasche vor mir steht. Doch ersteinmal von vorne.

Zu Gast bei Freunden auf der kykladischen Insel Syros entdeckte ich ein kleines Geschäft, in dem Wein, Spirituosen und Nicht-Mainstream Bier verkauft wurde. Nach eingehender Beratung im Laden fiel meine Entscheidung auf drei Flaschen Bier aus kleinen griechischen Brauereien. Die Flaschen wurden nicht sofort geleert, ich verfolge das Prinzip “Bier ist mein Souvenir”.

Den Weg der Flaschen plante ich in meinem Gepäck über den kleinen, auf einem Felsvorsprung gelegenen Flughafen, auf dem mäßig geschultes Personal arbeitet. Die Mäßigkeit ihrer Schulung wurde offensichtlich, als die Sicherheitsbetrauten mir verweigerten, die 3 Flaschen wohlverpackt im Gepäck einzuchecken. Die Gefahr sei zu groß, so die kreativen Querdenker von den Sicherheitschecks, dass die Flaschen zerbersten und das Flugzeug beschädigen. So ein Fall habe es schon einmal gegeben, versicherte man mir, woraufhin das Flugzeug 14 Tage nicht einsatzfähig war und auf den Besitzer der Flasche erhebliche Forderungen folgten (Stellt Euch die dazu hochgezogenen Augenbrauen vor).

Logik, Verweise auf die Airline Richtlinien und Vergleiche zu ähnlichen Vorkommnissen halfen nicht. Den Flaschen war nur noch eine letzte Reise vergönnt. Sie führte zu den Taxifahrern vor dem Flughafen. Diese freuten sich über mein Geschenk, ich freute mich auf Briefkontakt mit der kleinen Airline. Der kam jedoch nicht zustande, denn das befüllte Formular auf deren Website ließ sich nicht abschicken, eine Emailadresse für den Kundenservice blieb im Verborgenen. Die Beschwerde ging also an eine Sammelemailadresse, meinem Text wurde die Bitte vorangeschickt, an die entsprechende Stelle weiterzuleiten. Ich wartete eine Woche, ich wartete zwei Wochen und es tat sich nichts.

3 Flaschen Bier, mag so manch einer meinen, sind doch all der Aufregung nicht wert, aber hey – dieser Blog heißt de bello culinario, also soll zumindest dieser Artikel von einem kulinarischen Kriegsschauplatz berichten. Ich schwang die Social-Media Keule, doch auch bei Twitter wollte man mir keinen Kontakt nennen. Da blieb mir nur noch die Facebook’sche Klagemauer. Jetzt ratet mal, wer keine 24 h für seine Reaktion benötigte. Man bot mir telefonisch an, mir zur Wiedergutmachung Spzialitäten aus dem Ägäischen Raum zuzusenden. Das fand ich nett und willigte ein.

Nach wiederum zwei Wochen kamen zwei kleine Pakete an und darin befanden sich ein Baseball Cap der Aegean Air, ein Notizblock der Aegean Air, Aegean Air Sticker und ein Kugelschreiber der Aegean Air. Das verbarg sich also hinter der blumigen Formulierung “Spezialitäten aus dem ägäischen Raum”. Der Anstrengung müde, beschloss ich, es dabei zu belassen, mutete mir aber noch die Öffnung des zweiten Päckchens zu. Das gabs nicht. Es befanden sich darin zwei Flaschen der Septem Microbrewery und eine Flasche der Volkan Microbrewery. Ich hatte den Wunsch in die Email mit meiner Adresse geschrieben und offensichtlich hat sich ein Mitarbeiter auf die Suche nach dem in Griechenland auch nicht ubiquitär verfügbaren Gut gemacht. Olymic Air/Aegean Air und ich sind also wieder gut. Ob ich aber auch mit dem Septem Tropfen gut bin, dazu im kommenden Abschnitt mehr…

Das sagt der Geschmack:

Beim ersten Schnuppern an der Flasche nehme ich sehr deutlich Erdbeere wahr, nach dem ins Glas füllen gesellt sich Pfirsich dazu. Der Erdbeer Duft (ohne Zugabe von Erdbeeren) ist für sich genommen schon so außergewöhnlich, dass ich unprobiert Höchstnoten vergeben möchte. Der Geschmack ist im bestem Sinne interessant. der vollmundige Geruch wird etwas aufgelöst, was es trinkbarer macht aber auch etwas zahmer. Eher leicht kommt es daher, aber die Bittere haucht Charakter ein. Halbwegs stabile Schaumbildung sorgt für optische Gefälligkeit, der Kohlensäuregehalt entpuppt sich als genau richtig. Wenn man genau hinschmeckt, merkt man Erdbeere. Wenn man das nicht macht, bleibt es immernoch ein leicht überdurchschnittliches Ale.

Wenn du abschweifst…

überlegst du, wie du diese Airline Mitarbeiter dazu bekommen kannst, dir ein paar mehr Flaschen zu schicken. Denn die Brauerei konzentriert sich lieber aufs leckere Bierbrauen anstatt um ihren Export.

Septem Premium Red Ale Craft Beer

Der Hunger sengt, die Lust aufs Essen steigt. Vor der Nase: ein Fastfood Tempel. Die bestellenden Worte gesprochen und nur kurz gewartet, steht das Häufchen Essen in seiner beispielhaftesten Form bereit zur Überführung.

Marc Trujillo kennt die ambivalenten Gefühle gegenüber Fast Food. Nüchtern betrachtet spricht kaum etwas für die Aufnahme des herzlos zusammen geworfenen Konvoluts an Industrienahrung. Doch nüchtern im Sinne von ausgemergelt betrachtet, kann auch ein mit Mayoschleier belegtes Menü Reiz auslösen, der tatsächlich in so etwas mündet wie dem unbedingten Wunsch, das jetzt so zu essen.

Die Bilder fangen diese Juxtaposition auf einzigartige Weise durch ihre explizite Darstellung kraft ihrer Farben, Texturen  und Detailtreue ein. Den ersten Blick auf diese Unerhörlichkeiten aus Flugzeugkombüse und Franchiseküche biete ich an. Mehr, wie immer, nach dem Klick zu Marc.

for here fast food painting 02

© by Marc Trujillo

for here fast food painting 02

© by Marc Trujillo

for here fast food painting 02

© by Marc Trujillo

Chips und Bier zum Sportereignis des Jahres? Klingt bekannt? Nicht weiter schlimm, denn Alex Solis zeigt uns, dass es bekannten Comichelden nicht besser geht mit der Gewichtszunahme, wenn sie zu viel WM vorm Fernseher schauen. Wie immer zeige ich nur eine kleine Auswahl, aber insbesondere im Falle von Alex lohnt sich die Aufmerksamkeit – in der großartigen Serie “Famous Chunkies” ist eines der Bilder witziger als das andere. Insofern: Weiterklicken!

Famous Chunkies Spiderman

© by Alex Solis

Famous Chunkies Lego Guy

© by Alex Solis

Famous Chunkies Bert & Ernie

© by Alex Solis

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