Mit gerade genug Verschnaufpause, um mich von meinem kathartischen Blogeintrag über gestricktes Fleisch zu erholen, präsentiere ich heute den nächsten gehäkelten Hammer: In erdigen Tönen gehaltene Gemüsevariationen.
Schlaraffenland 2.0
Schon als Kind konnte ich mich für die Idee des Schlaraffenlands begeistern. Leider scheiterten Versuche, sich das fiktive Land wahrzuträumen, in dem Honig die Flussbetten füllt und anstelle von Steinen Käsestücke die Wegränder säumen.
Cheeseburger ohne Brötchen an gerahmtem Prinzessin Diana Portrait
Wart Ihr zufrieden mit der Bewirtung bei Eurem letzen Konzertbesuch? Ein leckeres Großbrauerei-Bier aus dem Plastikbecher? Dazu eine Brezel oder eine Currywurst aus dem Hause Hoeneß? Bevor ich mich auf das Thema einschieße, gebe ich zu: die meisten Menschen interessieren sich zurecht eher für das Geschehen auf der Bühne. Bewirtungssstände sind höchstens Nebenschauplätze.
Etwas wichtiger ist die Versorgung mit Lebensmitteln für die Künstler. Deswegen schreiben die Rampensäue und Shoegazer dieser Welt vor ihren Touren die Wünsche für den Backstage Raum auf. Den teilweise zwischen Exzentrik und Lächerlichkeit oszillierenden Vorstellungen der Künstler gerecht zu werden ist dann die Aufgabe des Veranstalters.
Mithilfe der sogenannten Backstage Rider, also den Wunschzetteln der Künstler, machten sich der zum zweiten Mal auf de bello culinaro vertretene Henry Hargreaves und seine Kollaborateurin Caitlin Levin die Mühe, die Wünsche zu inszenieren. Das Ergebnis weiß in seiner entlarvenden Stilisierung zu verzücken, was dem interessanten Ansatz geschuldet ist. So schreiben die Macher selbst:
“To challenge ourselves, and to make something beautiful we decided to compose these images in the manner of Flemish still life, and the Vanitas of the 16th and 17th centuries. Also noting the correlation between these paintings which were meant to “remind one of the transience of life, the futility of pleasure, and the certainty of death,” and mortality of the musicians themselves. ”
via Vice
Was passiert da in der Teekanne?
Traumata meiner Jugend: Selbstgestricktes und Kotelettes
2013 – Odyssee im Zitrusuniversum
Bei Dennis Wojtkiewicz Bildern musste ich an “2001 – Odyssee im Weltraum” denken. Vielleicht ist es das rötliche Rund der Blutorange, das mich an das Kameraauge von HAL 9000 erinnert. Eventuell sind es die grünlich-bläulich schimmernden, saftgefüllten kleinen Säckchen der Limette, die genauso orientierungslos im dunklen Raum stehen wie Kubricks Mondstation Clavius. Möglicherweise ist es die mystische Ausstrahlung, die etwas so profanes wie ein schwarzer Monolith oder eben eine halbe Orangenscheibe entwickeln kann.
Falls Ihr Stanley Kubricks Sci-Fi Klassiker noch nicht kennt, kann ich ein kleines Screening nur empfehlen. Das setzt jedoch voraus, dass Euch nicht-lineare Plots nicht abschrecken und Ihr über Sitzfleisch verfügt. Als Belohnung lässt einen der Film beeindruckt, wenn auch leicht ratlos, zurück. Damit schließt sich der Kreis zu Dennis Wojtkiewicz Bildern.
Die nächste Food-Revolution: Ausgedrucktes Essen
Vor einer Weile erklärte mir ein Kollege, wie großartig das Zeitalter sein wird, in dem jeder Mensch in seinem Haushalt über einen 3D-Drucker verfügt. Ich gebe zu, mir fehlt noch ein wenig die Vorstellungskraft, inwiefern sich mein Leben durch die private Anschaffung eines 3D Druckers verändern soll.
Einerseits kann ich mir nicht vorstellen, dass die Technik es in den nächsten 5 Jahren erlaubt, mir meinen Ersatzschlüssel, eine neue Fahrradkette oder zerbrochenes Porzellan in vernünftiger Qualität nachzudrucken. Andererseits bin ich einfach zu wenig Produktdesigner und Künstler, als dass ich in den Invest gehe, um mir täglich 1-2 neue Lampen und ein paar Deko-Plastiken auszudrucken.
Einen interessanten, neuen Ansatzpunkt sehe ich bei Janne Kytannen. Sie druckt Essen aus. Das ist zumindest als Gedankenexperiment interessant, denn auch hier ist die Frage, wie nah die “Zukunft” des “Essen Ausdruckens” tatsächlich ist. An Fragenkomplexe, die sich um Ethik und Gesundheit drehen, denke ich noch gar nicht – dafür finde ich das Thema einfach zu weit weg.
Am Ende des Tages für mich (noch) ein lustiges Thema aus der Sci-Fi Ecke, das aber dank der tollen Interpretation von Janne Kytannen ein Gesicht bekommt.
(Soweit ich das aus meiner Korrespondenz mit den Rechteinhabern der Bilder herauslesen konnte, wurden die Bilder für die 3D Systems Corporation aufgenommen.)




















